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Quote ist Mist, keine aber auch!

„Die Quote ist ein Miststück!“, oder nicht ganz so drastisch, aber ebenso bedeutungsschwanger und hochstehend ausgedrückt: „Die Quote ist eigentlich ein Armutszeugnis für Deutschland!“

Das entstammt nicht etwa meinem Hirn, sondern das hat sinnigerweise eine Frau, genauer gesagt, die ZDF Morgenmagazin Moderatorin Dunja Hayali als persönliche Kampfansage im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei Pro Quote zum Besten gegeben.

Bei Pro Quote kämpfen in erster Linie Frauen aus der Medienbranche (Journalistinnen, Autorinnen, Verlegerinnen, etc.) für die Gleichstellung der Frauen und für mehr Frauen in Führungsverantwortung bei den Medienunternehmen.

Diese Zitate sind natürlich mehrdeutig, da sie zum Ausdruck bringen sollen, dass eine Zwangs-Beförderungen von Frauen nicht gerade als Aufwertung weiblicher Qualifikation erachtet wird, aber als Ultima Ratio vonnöten sei!

Die von der Politik über Jahre angemahnte (freiwillige) Berücksichtigung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen, sei so verschleppt und verzögert worden, dass nun die Unternehmen doch bitteschön per Gesetz dazu verpflichtet werden sollten, zumindest eine festgelegte Anzahl an Frauen in die Führungsgremien zu integrieren.

So weit, so schlecht! Denn ausgerechnet jetzt, wo auf höchster  Ebene Fakten hätten geschaffen werden können, versagt die Politik! Zwar wurde vereinbart, dass im Jahre 2020 30 % Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten Pflicht sind, aber wer soll sich da noch sicher sein, dass das wirklich so sein wird.

Zumal es bis dahin noch Bundestagswahlkämpfe und dementsprechend 2 zu verhandelnde Koalitionsverträge der jeweiligen Parteien geben wird. Und wie wenig ein Koalitionsvertrag wert ist, hat die aktuelle Bundesregierung in 4 Jahren leidvoll und offensichtlich unter Beweis gestellt: Papier ist geduldig!

Darüber hinaus hat die CDU erst vor einem halben Jahr eine sehr emotionale parteiinterne Debatte ausgetragen, an deren Ende die Ablehnung (!) einer gesetzlichen Frauenquote stand. Nun ist sie doch da. Irgendwie und irgendwie doch nicht.

Federführend verantwortlich für das Nicht zustande kommen ist einerseits die FDP, die aus liberalem Trotz eh jegliche gesetzliche Einmischung in die Unternehmenskultur ablehnt und es schwer vorstellbar ist, dass sich diese Haltung grundsätzlich ändert. Aber auch die CDU selbst, die immer noch an klassischen Gesellschafts- und Familienbildern hängen bleibt und maximal halbherzig und unter großen Schmerzen den Schritt in die Moderne wagt.

Nun muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich auch nicht gerade an der Speerspitze der Frauenquoten Bewegung stehe und auch nur zähneknirschend akzeptiere, dass es vielleicht nur so geht.

Einige Gründe die gegen eine Quote sprechen, fallen auch mir relativ schnell ein:

  • Frauen sollten nicht nur an Spitzen Funktionen gelangen, weil sie Frauen sind!
  • Besser qualifizierte Männer würden möglicherweise benachteiligt, weil Posten mit einer Frau besetzt werden muss!
  • Eine gesetzlich verordnete Frauenquote verlagert letztlich auch nur die Diskriminierung auf die Männerseite!
  • Die Problematik der Förderung von Karriere und Familie bleibt durch die Quote unberührt!
  • In vielen Branchen gibt es schlichtweg nicht genug Frauen, um eine solche Quote zu erfüllen!

Ein recht aktuelles und bezeichnendes Beispiel ist die Besetzung der WDR Intendanten Position. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss eine solche Top Führungsposition auch öffentlich ausgeschrieben werden, sodass auch außenstehende Bewerbungen abgegeben werden können.

Die Voraussetzungen dafür könnten idealer gar nicht sein, war doch die Stelle bis dato sogar von einer Frau (Monika Piel) besetzt, die vorzeitig ihren Posten zur Verfügung gestellt hatte. Dann aber machte der WDR ein ernüchterndes Zwischenfazit bekannt, dass bis Ende März zwar 37 Bewerbungen eingegangen waren, davon aber lediglich knapp 10 % (!) von Frauen stammten!

Auch das spielt den Quoten Skeptikern in die Karten. Einerseits, dass Quoten punktuell nicht erfüllt werden können, da gar nicht ausreichend Frauen in bestimmten Bereichen da sind – andererseits, dass Frauen vielleicht auch manchmal schlichtweg der Mut fehlen würde, den finalen Schritt auf der Karriereleiter aus sich selbst heraus in Angriff zu nehmen.

Denn es ist auch kein Geheimnis, dass Frauen einen differenzierteren Lebensentwurf haben, die eben auch immer noch die Entscheidung zwischen Kind, Familie und Karriere beinhaltet!

Wie gesagt, Gründe gibt es reichlich! Und Quote ist nicht der Weisheit letzter Schritt, aber manch notwenige gesellschaftliche Veränderung braucht ein Schlüsselereignis. Eine Initialzündung!

Und deswegen bin ich trotz aller Skepsis PRO QUOTE!

e.

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Ein Kommentar zu “Quote ist Mist, keine aber auch!

  1. Pingback: Pro Quote und Frauenbilder | Kennzeichen E

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