Aktuell/Gesellschaft/Sport

Jan #Ullrich – Die Leichtigkeit des Nicht-Seins!

Spät. Zu spät. Halbherzig. Salami Taktik. Unzureichend. Lügner.

Das sind einige der Attribute und Einlassungen, die derzeit über Jan Ullrich herein brechen, nachdem er dem Nachrichten Magazin Focus per Interview das zu Protokoll gegeben hat, was ein Sportgericht vor einem Jahr festgestellt und rückwirkend mit Sperre und AbErkennung von Titeln und Platzierungen geahndet hatte.

Jan Ullrich ist nun nicht mehr nur noch ein gefühlter und ein verurteilter, sondern ein geständiger Doping Sünder! Das was alle seit Jahren aus seinem Mund hören wollten, ist nun amtlich, Schwarz auf Weiß nachzulesen. Er hat sein Schweigen gebrochen!

So weit so gut? Mitnichten! Das reicht nämlich scheinbar immer noch nicht, denn es gibt ja die vielen Experten und Leute, die vermeintlich Zeugen haben, die besagen, dass Ullrich noch mehr Dreck am Stecken hat als er zugibt.

Demnach ist er auch ein Lügner, Feigling, der auch nur das zugibt, was eh nicht mehr zu leugnen ist und das auch nur sehr schleppend.

Einer der keinen reinen Tisch macht und allumfassendend das ganze System hinter seinen Vergehen offen legt und nicht nur Scheibchenweise zu dem steht, was scheinbar eh jeder zu wissen meint.

Die Frage ist nur: Warum sollte er das tun?

Die, die jetzt wieder zu wissen glauben, dass er nicht nur Blutdoping betrieben hat, sondern auch noch EPO und andere leistungsfördernde Mittel genommen hat, sollten genauso wissen und bedenken, dass es rechtliche Gründe geben mag, die ihn so handeln lassen, wie er es tut.

Dass er vielfach auf anwaltlichen Rat gehandelt hat, hat er ja selbst schon zugegeben. Wer weiß schon, welche juristischen Konsequenzen seine Offenbarungen jeweils nach sich zögen!?

Manch ehemalige Radsportler, die sich jetzt äußern und sich selbst als Vorbilder hinstellen, was offensive Krisenbewältigung nach ihrem Doping Geständnis angeht, vergessen, dass sie auch erst öffentliche Reue gezeigt hatten, als sportrechtliche Verjährung vorhanden war und man auch nicht so genau weiß, ob sie alles auf den Tisch gelegt hatten. Denn je mehr man gewinnt, desto mehr hat man auch zu verlieren!

Wer weiß schon, welche psychischen Konsequenzen seine Offenbarungen hätten!?

Dass er psychische Probleme hatte ist ja bekannt. Genauso wie die Tatsache, dass er zu seiner aktiven Zeit nie diesen unbedingten Siegeswillen an den Tag legte, wie ganz Radsport Deutschland von ihm erwartet hatte. Nur eben er selbst nicht! Er hatte immer wieder bekundet, dass er gewinnen will, aber nicht gewinnen muss. Nicht um jeden Preis und schon gar nicht, weil die Öffentlichkeit das von ihm erwartet.

Dass damals Ullrich schon Anzeichen aussendete, dass er sich nicht in diese allzeit bereit stehende, medienkonforme Rolle hinein drängen lassen wollte, sondern er die öffentlichen Begehrlichkeiten eher als Belastung und zusätzlichen Druck empfand, war mehr als deutlich erkennbar!

Dass die Medien einem vielleicht sensiblen, introvertierten Sportler das quasi zum Vorwurf machen, ist genauso bedenklich, wie die immer noch vorhandene „höher, schneller, spektakulärer-Mentalität“ von Radsport Veranstaltungen, die fragen lassen, ob diese nicht genauso verantwortlich sind, dass der gnadenlose Leistungsdruck Sportler in die Dopingfalle tappen lässt!

Auch wenn das naiv klingt, er wollte nur Rad fahren und kein öffentlicher, gläserner Mensch sein!
Natürlich ist das in Zeiten von medialer Dauerbelagerung ein mehr als ambitionierter Wunsch.
Dennoch ist es ein zu respektierender Wunsch und nicht der, der sich in der Öffentlichkeit schwer tut, sollte dafür auch noch belächelt werden.

Ja, Jan Ullrich ist bzw. war ein Doping Sünder! Und ja, seine Kommunikationsstrategie ist problematisch. Allerdings in erster Linie für ihn selber. Dass die Medien damit unzufrieden sind, hat andere, nicht nur „edle“ Gründe!

Und auch für mich als jemanden, der seine Karriere mehr als interessiert verfolgt hat und selber begeisterter Hobby Radsportler war und für den Jan Ullrich ein sportliches Vorbild war, ist es mehr als enttäuschend, dieses erfahren zu haben!

Dennoch frage ich mich, für wen Ullrich sich heute noch ehrlicher machen soll, als er bereit ist das zu tun. Vielleicht kann er nicht anders? Vielleicht schafft er es nur dosiert, der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen?
Vielleicht hat er immer noch nicht die Stärke, sich medial durchkauen zu lassen, nur um den Medien die Genugtuung zu verschaffen, auch diesen Fall gelöst zu haben?

Natürlich gibt es ein nachvollziehbares journalistisches Interesse, die „Causa Ullrich“ zum Abschluss zu bringen.

Aber vielleicht will Ullrich einfach nur mit Freunden sonntags Rad fahren, oder mal den ÖtzTal Marathon bestreiten und ansonsten seine Ruhe?

Aber es gibt Rollen, die sucht man sich eben nicht aus!

e.

Advertisements

Schreib mir, was du darüber denkst...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s