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Soundcheck (Vol. 9)

1. Phoenix ist seit dem April 2013 Bankrott! Zumindest könnte der Name „Bankrupt!“ das vermuten lassen. Was genau das französische Indie-Rock Quartett damit meinten ist nicht 100 %ig überliefert, deswegen belasse ich es mal bei der schlichten Erklärung: so heißt ihr aktuelles, und noch dazu weltweites erfolgreiches Album! Immer wieder erstaunlich, dass die Band eine nicht ganz eindeutige musikalische Einordnung aufweist. Wer sie Live gesehen hat, der wird sie als spielfreudige und handwerklich gute Indie-Rock Band mögen. Wer sie eher von Videos oder CD kennt, der wird sie zurecht eher in den Elektro/Wave/Pop Bereich einordnen. Beide Sichtweisen sind durchaus zutreffend, denn dass sie die Bühne genauso wie die loungige Strandbar an einem Sommerabend perfekt beherrschen, kann man bei „Trying to be cool“ wieder mal feststellen. Chill ab!



2. Auf dem bereits bekannten Cover von Poliça´s neuem Album „Shulamith„, das im Herbst erscheinen wird, steht eine Frau mit dem Rücken zur Kamera und man kann sehen wie Blut am Kopf und Hals auf der Haut klebt! Auch das Video der Vorab-Single Auskopplung „Tiff„, das ich hier ja schon als Video der Woche besprochen hatte, weist eher verstörende, blutige Folter Szenarien auf, sodass man mehr als erstaunt fragt, wer diese Tiffany (Tiff) ist, von der Sängerin Channy Leaneagh da singt und was da wohl für ne Geschicht hinter steckt, die sie zu einer solchen Bildsprache bewogen hat. Wenn man allerdings nur die Musik sprechen lässt, ist der sog. „AutoTune“ Effekt immer noch ein Stilmittel, aber es kommen noch ein paar wärmere SynthiTeppiche auf den kühlen, treibenden Beatboden. An Reiz hat das dennoch immer noch nicht verloren!

3. Die Mitglieder der australischen Band Cloud Control kommen alle aus einer hoch gelegenen Gebirgsregion, dort wo Eykalyptusbäume wachsen, Wombats und Kängurus leben. Genannt wird diese Region Blue Mountains und ist seit jeher dafür bekannt, dass sie von den Ureinwohnern, den Aborigines, bewohnt wird! „Dream Cave“ wird das im September erscheinende Album heißen und auf der Vorab-Single „Dojo Rising“ hört man interessanter Weise wenig bis gar nichts von den australischen Wurzeln heraus. Im Gegenteil, das klingt eher im Stile vom europäischen Alternative Neo-Folk mit einfachen, melancholischen Klanggerüst. Etwas sperrig, aber nach und nach hört man sich rein.

4. Charlie Winston lief 2009 mit seiner Akustik-Gitarre in dem Video zu „Like a Hobo“ quasi als Wanderarbeiter über die Landstraßen und wurde dafür in ganz Europa für seine damals frische Soul Pop Good Vibe Music als kommender Star gefeiert! Ein Sommerhit damals! Zusätzlich bescherte er Peter Gabriel, bei dessen Label „Real World“ er unter Vertrag steht einen Erfolg für sein ambitioniertes, aber nicht immer gewinnbringendes Label. Aber wie das mit Sommerhits oft ist; sie dauern eben nur einen Sommer. Das hat Winston mit seinem 2011er Nachfolge Album „Running Still“ erfahren müssen. Wenig Notiz wurde davon genommen, ebensowenig wie von seinem grandiosen, aber wohl zu elektronisch-verspielten und experimentellen „Speak to me„.

5. Für die amerikanischen Alternative und Post Grunge Helden von Pearl Jam, für die es nach der Jahrtausendwende musikalisch nicht immer überzeugend lief, kam 2009 mit dem 9. Album Backspacer der große Erfolg zurück – musikalisch gefeiert und kommerziell sehr lohnend. Auf Backspacer waren zudem auch noch einige ruhige folkige Songs, die hörbar vom Solo Soundtrack Eddie Vedder´s zu dem Aussteiger Drama „Into the Wild“ inspiriert waren. Das trug sicher auch zu der PJ Erneuerung bei. „Lightning Bolt“ wird nun das 10. Album heißen und im Oktober erscheinen. Und wenn man die vorab-Single „Mind your Manners“ hört, die seit 2 Wochen „on Air“ ist, dann merkt man schnell dass das Thema Backspacer abgehakt ist und wieder straighter, härterer Rock die Vorlage war. Weniger reflektiert, sondern mehr organisch und ohne Schnörkel! Erinnern tun man sich folgerichtig an das „erste 10. Album“ der Band – bzw. an das erste Album, das „Ten“ hieß. Sollte sich daher ein Kreis schließen?

6. Weniger tiefsinnig, oder einfallsreich waren die New Yorker Alternative Rocker von Interpol 2010 mit dem Titel ihres 4. Albums – das hieß ganz überraschend „Interpol„. Dementsprechend fielen dann auch die „Experten“ darüber her und schlugen ne Brücke von dem uninspirierten Titel hin zu dem ebenfalls wenig überzeugenden Songs des Albums. Was ja nun manchmal passieren kann, wenn die Mitglieder allesamt und besonders Sänger Paul Banks unter seinem Pseudonym Julian Plenti auf Solo-Pfaden wandeln und sich danach alles wieder unter dem Band Dach zusammenfinden muss! Allerdings hat das Projekt dann auch Opfer gebracht: Ihr Bassist ging kurz nach Fertigstellung von Bord und so richtig als Highlight wurde das Album von den Fans nun auch nicht gefeiert. Freuen durfte man sich dafür über den düster, hypnotischen Track „Lights“ (hier als Live Session Version), der mit seinem trägen Beginn, aber mit dann immer intensiver treibendem Gitarrenspiel bis in Gänsehaut-Regionen vordringt!

7. Für die Kings of Leon lief eigentlich auch alles blendend 2010 / 2011. Ihr Album „Come around Soundown“ war n Volltreffer weltweit. Die Herren Followill waren auf ´ner ausgedehnten US Tour, bis Sänger Caleb Followill auf einem Konzert plötzlich wirr und krank wirkte; die Bühne verließ um sich zu übergeben, dann aber mit Bier gesehen wurde und weiter singen wollte. Allerdings sagte der Rest der Band „STOP“, beendete das Konzert und im Anschluss gleich auch mal auf Verdacht den Rest der Tour! Gerüchte von Entziehungskur für den Sänger folgten und man fragte sich dann besorgt, „war´s das?“ Seit dieser Woche ist die Frage beantwortet: das war es noch nocht! Ganz im Gegenteil, die neue wasserpistolige Single „Super Soaker“ wirkt herrlich frisch und gleichzeitig altmodisch, im Stile ihrer ersten Alben, wo sie sich sehr Alternative-Südstaatenrockig austoben durften, als sie noch etwas jenseits der Chartregionen waren, in denen sie nun unterwegs sind. Mich erinnert der Song Super Soaker an Taper Jean Girl vom 2.-Werk „Aha Shake Heartbreak“ – und den Song fand ich ebenso klasse. Also hoffentlich bleibt es n warmer Spätsommer, wenn das neue Album „Mechanical Bull“ im September erscheint.

8. Peter Gabriel ist ja nun wahrlich ein umtriebiger Künstler, der sich auch schon mal für 3 Wochen in das australische Outback begibt, um dort Klänge aus der Natur zu suchen, aufzunehmen, diese dann digitalisiert und für seine zukünftigen Songs verwendet. Nicht nur diese Arbeitsweise nimmt viel Zeit in Anspruch, auch die Tatsache, dass er selten ein Projekt konsequent in einem Schritt zu Ende bringt. Einerseits weil er immer wieder für Aufträge anderer Künstler engagiert wird, oder zwischendurch andere Projekte Vorrang gibt und so das angefangene Projekt auf Eis liegt. Das 2010er Album „Scratch my Back“ ist so ein Herzensprojekt. Eigentlich wollte er an eigenen Songs arbeiten, bis die Idee erwuchs, einige seiner Lieblingssongs anderer Künstler aufzunehmen und völlig neu zu interpretieren. Herausgekommen sind Songs ohne Bass, Gitarre und Schlagzeug – dafür aber mit einem großen Streicher Ensemble, die den Songs eine völlig neue atmosphärische Tiefe und Intensität verleihen. Das hat vielleicht nicht überall geklappt, aber dort wo es geklappt hat, ist es beeindruckend. So wie beim Talking Heads Klassiker „Listening Wind„.

9. Da sich Peter Gabriels Albumtitel „Scratch my Back“ auf eine Redewendung bezieht, die alleine für sich nicht vollendet wirken würde, dachte er gleichzeitig an ein Nachfolgeprojekt für 2011, das folgerichtig „I´ll scratch yours“ heißen musste! [„Scratch my back and I´ll scratch yours] Also fragte er eben genau die Künstler an, deren Songs er aufgenommen hatte und bat sie sich einen Gabriel Song rauszusuchen und ebenfalls neu zu aufzunehmen. Bei der englischen Alternative / Art-Rock Band Elbow fiel die Wahl auf die beklemmende 1986er Ambient Klangperle „Mercy Street„, in dem es um die tragische Lebensgeschichte der berühmten, aber manisch depressiven Schriftstellerin Anne Sexton und ihren Schilderungen vor ihrem Tod in „45 Merci Street“ geht. Unnötig zu sagen, dass das Projekt „I´ll scratch yours“ bis heute noch nicht fertig gestellt wurde, da einerseits manche Künstler schlichtweg keine Interpretationen beisteuern wollten und Peter Gabriel dann schon wieder in eigener Sache unterwegs war und 2011 mit dem Album „New Blood“ neue Orchester Interpretationen seiner eigenen Songs veröffentlicht hatte. Mercy Street entschädigt aber für manches.

10. Dan Black ist bislang, trotz seiner 36 Jahre und langen Geschichte als Musiker, noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Er war Mitglied in einer Alternative Rock Band bis 2007 und danach eher im Bereich „hübscher Kitsch Pop“ unterwegs. 2013 könnte sich das aber für ihn ändern. Denn mit dem spannenden Kunstprojekt Musikvideo zu seinem Song „Hearts„, das er mit Neo-Soul Lady Kelis aufgenommen hatte und das hier schon als Video der Woche geehrt wurde, scheint er einen Groove gefunden zu haben, der in die richtige Richtung führt. Wenn jetzt noch sein Album „Do not Revenge“ so langsam an den Start kommt, könnte es nicht nur für ihn ein guter Sommer werden. Das Wetter spielt jedenfalls mit und Strandbar ist auch schon offen!

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