Aktuell/Gesellschaft/ZDF

Duell in der Abseitsfalle

Natürlich war es ´ne provokante und im Politiker Verständnis als Polemik aufzufassende Frage von Politik-Talk Neuling Stefan Raab in Richtung Angela Merkel, wie sie sich denn den Abbau der Neuverschuldung vorzustellen gedenkt – und ob es ihr zu ehrgeizig sei, dass bei derzeitiger Sachlage und bei einem sofortigen Beginn des Schulden-Abbaus von 1 Milliarde Euro pro Monat der Schuldenberg „schon“ im Jahre 2184 abgetragen sei!

Selbst Anne Will, die neben Raab im Bild war konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn sie ahnte schon, dass diese scheinbar tollkühne Frage Spuren des Unglaubens in Frau Merkels Gesicht hinterlassen würde, als ob sie zurück fragen wolle, ob Raab wirklich in der richtigen Fernseh-Sendung sei. Er war es – und natürlich war Angela Merkel zwar irritiert, aber letztlich professionell genug, gewohnt sachlich auf die Frage zu antworten.

Damit hatte Stefan Raab sogleich allen Beteiligten und vor allem den Fernsehzuschauern aufgezeigt, wie er sich seine Rolle innerhalb der 4 Polit Talk Profis von ARD (Anne Will), ZDF (Maybrit Illner), RTL (Peter Kloeppel) und Pro 7 (Stefan Raab) ausgedacht hatte. Er versuchte gar nicht erst, den Talk Profi zu mimen und auch optisch sah er wie immer aus – als ob er gerade aus einer Aufzeichnung seiner eigenen Show kommt. Auch inhaltlich war er bemüht unberechnbar zu sein – Fragen zu stellen, die manchen zu banal wäre, aber aus der Sicht von Raab und im Sinne seines TVTotal Publikums nun mal gestellt werden sollten.

Natürlich hatten sich Peer Steinbrück und Angela Merkel dann irgendwann darauf eingestellt  dass Raab eher den anarchischen Fragesteller geben würde und waren sichtbar bemüht, mögliche Provokationen durch souveräne Gelassenheit zu beantworten.

Dass RTL Mann Kloeppel nur anfangs in Erscheinung treten konnte, aber im weiteren Verlauf unauffällig blieb und es auch nicht verstand, die Flügelzange am anderen Ende des Moderatoren Pultes markant zu besetzen, war leider schnell deutlich.

Auch die Tatsache, dass das Medienecho am Tag danach geteilt und keinen wirklich eindeutigen strahlenden Sieger ausmachen konnte, war irgendwie auch absehbar. Dafür haben die angekündigten „Blitz-Umfragen“ der beteiligten TV Sender ein zu ausgeglichenes Ergebnis ausgewisen, bei dem mal Steinbrück und mal Merkel die Mehrheit der befragten Zuschauer auf ihre Seite ziehen konnten. Dass sich die Frage nach Sinnhaftigkeit von mehreren parallelen Umfragen unterschiedlicher Meinungsforschungs Institute stellt, deren unterschiedliche Ergebnisse eher verwirren und mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten, sollte auch mal überdacht werden.

Eines hat das TV Duell aber aus meiner Sicht gezeigt: Dass Politiker blass und vage bleiben, oder einstudierte Antwortblöcke auf erwartbare Fragestellungen geben, liegt auch daran, dass man sie lässt!

Das hat Stefan Raab mit seiner unkonventionellen Art zu Fragen offen gelegt. Ob man seine manchmal plumpe Art mag, oder nicht und ob sich das nicht auf Dauer auch abnutzt, in dem Maße wie sich die Politiker darauf einstellen können, muss sich zeigen.

Wer aber regelmäßig die politischen Sendungen im TV verfolgt hat, der wird viele Fragen schon mal gehört haben, ebenso die Antworten der Politiker.

Warum also ein Rede Duell, bei dem die Politiker quasi nicht mit einander reden, oder dialogisch um die besten Argumente ringen ?

Zurecht beklagen sich daher viele politische Beobachter, dass beim TV Showdown 4 Fragesteller in bester Absicht Vorlagen geben, die die Politiker nicht verwerten können.

Im Fussbal würde man sagen, Huub Stevens spielte gegen Otto Rehagel – oder anders gesagt: Merkel war bedacht, dass sie „hinten dicht“ macht, oder die „0“ muss stehen – Steinbrücks Strategie war naturgemäß die „kontrollierte Offensive„, aber immer mit Hinblick darauf, dass er nicht in Konter gerät!

Ergo: Das Format ist zu steif, weil vorhersehbar!

Alle 3 Politik Talker hatten sowohl Merkel, als auch Steinbrück zu exklusiven Einzel Befragungen in ihren Sendungen. Peter Kloeppel hatte beide sogar jeweils in einer Runde, bei denen Promis und ausgewählte „normale“ Wahlbürger Fragen stellen konnten. Von daher war von allen Beteiligten bis zum TV Duell so viel über Politik getalkt worden, dass der Erkenntnisgewinne überschaubar und Überraschungen nicht zu erwarten waren.

Genau das war der Vorteil, den Stefan Raab für sich nutzen konnte, da er beiden Politikern zum ersten Mal gegenüber stand und sie überraschen konnte. Gleichzeitig entlarvte er unfreiwillig, dass das TV Duell als Wahlkampf „Sahnehäubchen“ angepriesen, aber aufgrund der aus meiner Sicht zu starren Vorgaben als „Schonkost“ inszeniert und präsentiert wird.

Zwar ist Raab mit seiner Art Politik und seine Protagonisten auf ein Game-Show Unterhatungsniveau zu reduzieren immer nah am Klamauk, wie er es in seiner Show „Absolute Mehrheit“ vor macht, aber im besten Fall darf den selbst ernannten Qualitäts-Fernsehmachern gestern bewusst geworden sein, dass man vielleicht das zu gewollt seriöse und oft routinierte Abfrage-Konzept des Kandidaten Duells aufbricht, damit Spontaneität und Kontroverse mehr Raum hat.

Ansonsten muss man sich auch nicht beklagen, dass die Kandidaten innerhalb von vorgegebenen Grenzen agieren.

Das gilt übrigens auch für die Auswahl der Fragesteller!

e.

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