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Tatort: ARD

Basierend auf dem Storify von Daniel Bröckerhoff zum Thema „Was denken ARD Volontäre und Zuschauer über die ARD“ habe ich mir auch mal meine Gedanken gemacht:

Zu Beginn der Diskussion um den neuen Rundfunkbeitrag sagte WDR Chefrdakteur Jörg Schönenborn sinngemäß „Die ARD strukturiert den Fernsehalltag für Millionen Menschen“

Ist das tatsächlich so? Basiert das allein auf den empirischen Daten, die Herr Schönenborn ja so spielerisch aus dem Ärmel schütteln kann?

Ok,  einerseits legitim, die Menschen dort abzuholen wo sie sich treffen – andererseits offenbart es meiner Meinung nach ein ganz komisches, unflexibles (und vielleicht sogar auch ein selbstgerechtes) Verständnis: das man Menschen im Jahre 2013 meint steuern zu wollen, oder zu können.

Ich für meinen Teil lehne das ab, immer wieder den selben Sonntagsbraten zu essen, nur damit der Koch sich nicht so viele Gedanken um den Mittagstisch machen muss. Ich möchte Auswahl. Ich möchte nicht wissen, was passiert wenn ich morgens aus der Haustür gehe.

Ich möchte (symbolisch gesprochen) den Tatort auch mal, wo der Täter nicht gefasst wird, weil er vielleicht Glück hatte, oder cleverer ist. Das ist politisch nicht korrekt, widerstrebt sicherlich auch den allgemeinen Sehgewohnheiten und ganz hochstehend ausgedrückt; dem Gerechtigkeitsempfinden der Zuschauer. Denn die ARD möchte ja auch dass, der Tatort am Montag früh Gesprächsthema in den Büros, in den Frühstückspausen der Menschen ist.

Und diese ARD möchte ja dass der Sonntags-Tatort (als Sinnbild für vorhersehbare Programmstruktur) moralisch über jeden Zweifel erhaben, korrekt ist und vor allem mit einem Ermittler, der den Täter am Ende dann doch dingfest macht. Heile Welt, wo alles noch in Ordnung ist, oder es am Ende in Ordnung kommt.

Aber im Alltag der Menschen ist auch immer weniger planbar, vorhersehbar, in Ordnung. Warum darf sich das nicht auch im Fiktionalen abbilden? Gut/Böse, Schwarz/Weiss. Und was ist mit den Zwischentönen ?

Ich möchte nicht die Denk und Strukturarbeit meines unstruktierten Fernsehkonsums von Leuten in grauen Anzügen und grauen Haaren in den Rundfunk Towern der ARD gemacht haben. Ich möchte dass dort ein buntes und breites Angebot gemacht wird, was auch mal beinhaltet, dass am Sonntag um 20.00 Uhr nicht in 8 von 10 Fällen Jan Hofer die Tagesschau moderiert und danach nicht in 9,8 von 10 Fällen ein Tatort läuft.

Nichts gegen den Tatort. Auch wenn ich ihn nicht mehr gucke, gehört er zum deutschen Fernseh Kultur Gut. Aber es gab Zeiten da hat man sich auf einen neuen Tatort freuen können. Heute hat jedes Bundesland einen Ermittler und es werden Tatorte am Fließband produziert. Sogar die Idee den Vorspann zu verändern, zeitgemäßer zu gestalten, wurde zum Politikum. Entrüstete Leser Briefe inklusive.

Tun wir uns mit Veränderungen echt so schwer, dass wir nicht annehmen können, dass auch jahrzentelang geübte, gelebte Tradition nicht auch mal hinterfragt werden dürfen?

Warum nicht mal nur jeden 3., oder zumindest jeden 2. Sonntag n Tatort, damit auch andere Formate zumindest die Chance haben zu exponierter Sendezeit mal ausprobiert zu werden.

Klar, so nen Tatort schauen in der Regel Millionen Menschen – sicher eingepreiste Quote. Warum nicht mal ein Prime Time Sonntag mit Comedy, Show oder großes Kino?

Ich bin aber in so einem ZwischenAlter. Zu alt für den meißten Pro 7 oder RTLII Klamauk/Trash, aber für das Herbstfest der Volksmusik fühle ich mich noch nicht „reif“.

Die ARD wird von mir fast nur noch als Sender für Informationsmagazine (z. B. Panorama), oder politischen Talk (z. B. Hart aber Fair) genutzt. Unterhaltungsformate, oder gar Spielfilme oder Serien finde ich für mich persönlich dort eher nicht.

Oder um es ganz gewagt zu machen: Wo ist dort junges, interaktives Mitmach Fernsehen? Ok, das klingt jetzt abstrakt und hört sich hohl an im Sinne von Viva Interaktiv.
Aber es heißt ja immer man hört auf das, was der Zuschauer wünscht und nimmt Vorschläge dankbar an.

So gesehen beim sog. WDR-Check letzte Woche im WDR Fernsehen, wo sich der neue WDR Intendant Tom Buhrow den kritischen Fragen der der Zuschauer stellte. So versprach es das Format zumindest. Zu sehen war aber ein bemühter Buhrow der sich verständnisvoll die Anmerkungen anhörte, sich dann maximal dazu hinreißen ließ zu sagen „Das nehme ich mir mit“ um sich dann wieder um die gut gelaunte scherzende Moderatorin zu kümmern, die dann dem Zuschauer nach und nach die Vorzeige WDR Formate aus Radio und Fernsehen präsentierte, oder n Show Act aus dem WDR Sendegebiet mit Show Einlage inkl. gewollten senderkritischen Subtext. Alles so nach dem Motto: „Seht her, wir hören zu zu sind transparent…es tut sich was“.

Mein Fazit: Unterhaltungsshow im kritischen Mitmach Mantel mit demokratischen Illusions Applikationen.

Was aber am Ende immer stehen wird, sagt Buhrow auch ganz ehrlich: Man hat kein Geheimrezept für neues Fernsehen, um die Jugend anzusprechen und alles kostet eben ganz banal viel Geld und dann ist in Zeiten von Spardiktaten nur wenig machbar“

Da geht man aus solchen Sendungen (und davon gab es in anderer fernsehkritischer Form schon einige) mit dem Eindruck raus, dass wieder einmal Druck aus dem medialen Kessel genommen werden sollte. Der Rest steht „unter Finanzierungs-Vorbehalt“.

Ich habe ehrlich gesagt etwas den Glauben verloren, dass die ARD wirklich den Mut hat, etwas grundsätzliches zu verändern. Wofür braucht es so viele eigenständige Rundfunkanstalten unter dem Dach der ARD? Damit mehr Leute auf wichtigen Positionen sitzen können?

Ich persönlich bin auch kein ständiger Mediathek Nutzer, oder jemand der immer im Netz vorab Sendungen schaut. Ich bin auch nicht sicher, ob dass das Kern Problem der ARD ist. Natürlich ist es irgendwie guter weil zeitgemäßer Ton, dass man seine Favoriten Formate „mobil“, „online first“ oder „on Demand“ abrufen kann. Es ist aber ein Zusatz Angebot. Von Social TV Eperimenten mal ganz abgesehen, die wirkten oft mehr bemüht als „organisch gewachsen“. Vielleicht muss man nicht den ganz großen Zeitsprung ins Jetzt wagen. Ein sichtbarer Schritt nach vorn wäre ein Anfang.

Es gibt einfach zu viel, was zu vielen Menschen angeboten werden soll und muss. Da passiert es auch schon mal dass ein spannender und wichtiger Recherche Film Montagabend um 23 Uhr gesendet wird, während um 20.15 ein Naturdoku über den Kolibri läuft.

Ich persönlich habe DAFÜR kein Verständnis! Und so eine Programm Struktur Planung ist für mich ein echtes Ärgernis! Weil ich mich dann frage, wofür haben ARD und ZDF gefühlt n halbes Dutzend Sparten Kanäle, wo sie Kultur, Dokumentation und Information auslagern?

Ich kenne die ARD seit den Familienabenden der späten 70er, Anfang der 80er den Anfängen der Lindenstraße, der Tagesschau, dem Tatort, Jan Hofer…und ich bin immer ein bisschen im Zweifel darüber, was ich davon halten soll heute.

Mal denke ich mir, hey, die ARD ist wie ein alter Ort an den man immer mal wieder zurück kommt und weil alles so ist wie früher kann man sich gleich wieder schnell zurecht finden.

Je länger ich dann aber dort bin denke ich aber, mein Gott, hier könnte echt mal wieder Staub gewischt werden.

Nur mit dem Unterschied, dass die ARD aus vielen unterschiedlichen dezentral arbeitenden Sendern besteht, wo eine Reinigungskraft natürlich völlig überfordert ist!

e.

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