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Live Nation und der Paarungsdrang

Eine möglicherweise spektakuläre Fusion durch LIVE NATION kommt heute über den Teich in die Schlagzeilen.

Die New York Times orakelt, dass der Konzertveranstaltungs-Gigant LIVE NATION, der auch mittlerweile über eine prominent besetzte Künstler-Management und Marketing, sowie Musik-Verlags Sparte verfügt, die Management Firmen von U2 (Principle Management, von ihrem Manager Paul McGuiness) und Madonna (Maverick, mit ihrem Manager Guy Oseary) komplett übernehmen und zusammenführen will.

Sowohl U2 als auch Madonna sind ja bereits eng mit Live Nation verbunden. Madonna hat im Prinzip alle Marketing-Rechte, die mit ihrem Namen als „Marke“ zu tun haben an Live Nation abgetreten, sich aber im Gegenzug für diese 10-jährige Abtretung mit einer jährlichen Zahlung von umgerechnet 12 Millionen $ und eine Beteiligungs-Option an Live Nation selbst vergüten lassen.

Bei U2 sieht es ähnlich aus, wobei man dazu sagen muss, dass die Band ihre originären Rechte an ihrem musikalischen Wirken hüten, wie ihren Augapfel. Als eine der wenigen Bands überhaupt bestehen sie darauf, die Urheber Rechte an ihren Songs vollständig bei sich zu behalten und sich daher die Aufgaben von Live Nation in erster Linie auf das exklusive Vermarkten ihrer Konzert-Tourneen und das Merchandising bis in das Jahr 2020 bezieht. Dass das für beide Seiten extrem fruchtbar sein kann, beweist die Tatsache, dass die vergangene Welt Tournee von U2 die bis heute besucherstärkste und gewinnbringendste Tour überhaut wurde.

Dass die Band und vor allem Sänger Bono eh Sinn auch fürs Business haben, zeigt, dass sie ihre musikalischen Aktivitäten über eine „Firma“ mit Sitz in Holland laufen lassen, wo sie als Künstler nur geringe Steuerabgaben leisten müssen. Bono selbst ist darüber hinaus noch Mitbegründer einer Investment Fonds-Gesellschaft (Elevation Partners), die hierzulande auch gern mal als „Heuschrecke“ bezeichnet werden würde, über die er indirekt am renommierten Forbes Magazin und auch an einem Untrnehmen namens Facebook beteiligt ist.

Dass sowohl U2 als auch Madonna auch noch zu den globalen Zugpferden im Bereich Konzert Touren, mit zuverlässig hohen Umsätzen für Live Nation gehört, versteht sich von selbst, denn auch Madonnas letzte MDNA Tour brachte dem Konzert Veranstalter mehrere hundert Millionen Dollar ein.

Ein kleiner Unterschied zwischen den beiden besteht allerdings darin, dass U2 nach wie vor fast spielend jedes Album zum weltweiten Millionenseller (5 Millionen und mehr) machen, während Madonna mit ihren letzten Alben einen doch spürbaren Rückgang verzeichnete. War „Confessions on a Dance Floor“ mit 12 Millionen verkauften Einheiten noch ein Megaseller und „Hard Candy“ zwar mit 4 Millionen immer noch sehr erfolgreich, aber ihr letztes Album „MDNA“ war dann mit „nur“ noch 1,8 Millionen Einheiten, gemessen an ihren Ansprüchen, eher ein „Flop“. Allein in ihrem Heimatland wollten dann nur noch 500.000 Fans ihr Album kaufen.

Unterm Strich ist die enge Verzahnung mit dem größten Konzert Veranstalter der Welt, der auch noch ein weltweites Ticket Vertriebs Unternehmen (Ticketmaster) unter seinem Dach beheimatet, also absolut nachvollziehbar. Obgleich die Ticketpreise immer mehr steigen, steigen die Ticketumsätze kontinuierlich und die Nachfrage nach Live Konzerten (als Teil der musikalischen Erlebnis Kultur) wächst immer mehr.

Hier hat sich also ein absolut lukratives Geschäft für Künstler entwickelt. Besonders etablierte Musiker, mit einer vitalen und globalen Fanbase, sehen das Konzert Geschäft mittlerweile als Kern-Einnahme in Zeiten von global sinkenden Einnahmen aus reinen CD Verkäufen.

Was passiert also letztlich durch die Fusion von Madonnas und U2´s Management Firmen unter dem Dach von Live Nation? Es wird vermutet, dass sich Paul McGuiness nun mehr aus dem „Tagesgeschäft“ zurückzieht und U2 daher einen neuen Manager bekommen. Und da kommt dann eben Guy Oseary ins Spiel, ausgerechnet durch Empfehlung von Paul McGuiness selbst.

Wenn das also so passiert, wird Guy Oseary als Madonna und U2 Manager in Personalunion zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Musikmanager weltweit aufsteigen und Live Nation einen weiteren Schritt in Richtung Musik Vermarktungs-Gigant machen.

Aber auch das ist die nur die eine Seite der Medaille. Die andere (dunkle) Seite zeigt aber auch, dass Live Nation nach wie vor den Musikmarkt, vor allem in Amerika auswildert und sich die „Filet Stücke“ für ihr VermarktungsGeschäft einverleibt und dadurch eben auch sehr viel Geld aus dem Markt heraus zieht.

Das an sich ist nicht verwerflich und völlig legitim! Auffällig daran ist aber nach wie vor, dass das ganze Geschäft auf den Big Playern der Branche aufbaut. Es werden also im Wesentlichen bekannte Künstler gebunden, mit denen nachweislich viel Geld zu verdienen ist.

Ein anderer Aspekt ist die Tatsache, dass auf diese Fusions-Strategien der Musikmarkt in Amerika und neuerdings auch in Deutschland monopolisiert wird. Andere Marktteilnehmer und Wettbewerber müssen sich immer mehr mit kleineren Marktanteilen begnügen und sich neuen Geschäfts „Nischen“ suchen, um überhaupt weiter bestehen zu können. Mit Live Nation ist ein harter Verdrängungswettbewerb entstanden, der nicht nur Wettbewerber verdrängt, sondern auch deren kreatives Potential.

Dass sich Live Nation darüber hinaus auch wenig um den Nachwuchs kümmert und selber Talente aufbaut, um auch zukünftig nicht nur auf die Musik Dinos zurückgreifen zu müssen, soll und darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

e.

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