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Ist das #Twitter – Oder kann das weg?

Man investiert Zeit, die man nicht hat, in Sprüche, die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht kennt.

Zugeben, dieses Zitat über Twitter wirkt wie von einer Person, der der virtuellen Welt skeptisch gegenüber steht, oder mit Social Media nicht viel am Hut hat.

Dennoch schreiben wir täglich SMS. Schreiben jede Woche eine eMail. Wir sind täglich auf Facebook. Haben Smartphones. Nutzen Social Media Apps. Machen Bilder und teilen diese im Netz. Schreiben Nachrichten per Whatsapp. Und wir twittern.

Aber braucht man Twitter, oder kann das auch wieder weg?

So ähnlich könnte man die Nutzung des 140 Zeichen Kurz Nachrichten Dienstes TWITTER in Deutschland beschreiben.

Ich selber nutze Twitter auch. Zwar nicht täglich, aber mehrmals wöchentlich. Einerseits nutze ich es als tägliche Presseschau, als Informationsquelle zu Themen und Sachverhalte, aber auch als Verbreitungskanal meiner eigenen Inhalte.

Ob man nun im Netz eine Seite aufruft, oder im TV eine Sendung anschaut, heißt es immer: „Folgen Sie uns auf Twitter“. In Amerika geht der Twitterkult sogar soweit, dass Moderatoren, die etwas auf sich halten, ihren Twitter Account Namen einblenden lassen. Wie sieht es nun aber in Deutschland aus?

Zum Vergleich:

  • Auf Facebook gibt es in Deutschland ca. 25 Millionen aktive Nutzer, von denen etwa 2/3 davon den Dienst per Smartphone App nutzen (Beiträge und Bilder posten, „liken“ und „teilen“) und das nahezu täglich.
  • Auf Twitter hingegen gibt es aktuell etwa 800.000 bis 900.000 aktive Nutzer, von denen aber lediglich 150.000 -300.000 täglich aktiv sind.

Die Zahlen variieren hierbei, da genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind, denn mal werden Accounts gewertet, bei denen mal täglich, oder monatlich Aktivität vorhanden sein muss. Dann kommt auch noch dazu, dass es leider viele sog. Fake-Profile gibt, sowie „verwaiste“ Spam/Werbe Accounts, die keine Aktivität aufweisen.

Und mittlerweile gibt es auch weitere Social Media Dienste wie Tumblr (Blog), XING (Karriere), Google+, die von deutschen Nutzern mehr genutzt werden als Twitter.

Schaut man sich diese Statistik mit den beliebtesten Twitter Accounts weltweit an, ergibt sich so ein bisschen der Grund, warum Twitter in der Wahrnehmung als nicht so relevant erachtet wird. Es sind in erster Linie Prominente, deren „tweets“ gelesen werden.

Twitter-Queen ist da derzeit Katy Perry mit 48 Millionen sog. Followern. In Deutschland ist es hingegen ein Fußballer (Mesut Özil) mit vergleichsweise bescheidenen 4,5 Millionen Followern.

Warum ist es aber so, dass in Deutschland Twitter bislang unter den Social Media Diensten nur am Rande Berücksichtigung findet? Liegt es daran, dass man in 140 Zeichen wenig Möglichkeit hat, sich und seine Gedanken auszudrücken? Reicht es die Nachrichten passiv zu konsumieren? Wird Twitter nicht als persönlicher Kommunikations Weg angesehen, da Facebook und Whatsapp schon ausreichend Möglichkeiten geben?

Oder liegt es vielleicht auch daran, dass es in Deutschland wenig Notwendigkeit gibt, „Geschichte zu schreiben“? In arabischen Ländern jedenfalls und solchen, in denen gerade die Meinungsfreiheit eingeschränkt und Kommunikation erschwert wird, ist Twitter mehr als nur ein Kommunikations Kanal. Es ist oftmals sogar ein (über-)lebenswichtiges Protest Werkzeug, um Missstände in die Welt zu tragen.

Ich habe dieses Jahr den ersten NSA Skandal nach den Edward Snowden Enthüllungen, die Bundestagswahl 2013 und die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und der SPD intensiv verfolgt, bei denen die Medien immer wieder auch ins Netz geschaut haben und dort Twitter-Meinungen als Stimmungsbarometer erkannt haben wollten.

  1. Während im Netz kontrovers und empört über die #nsa, #prism und #Snowden diskutiert wurde, formierte sich auch eine Protestbewegung auf die Straße, die in mehreren Großstädten zu Demonstrationen führte. In Berlin waren es ca. 15.000 Menschen. In anderen Städten noch erheblich weniger. Angesichts der Tatsache, dass Millionen Bundesbürger betroffen waren und sind, fiel der öffentliche Protest vergleichsweise marginal und leise aus. Für die damalige Regierungskoalition, der dieses Thema im Wahlkampf ungelegen kam, war das dann natürlich eine „berechenbare Größe“.
  2.  Die Bundestagswahl auf Twitter hatte auch interessante Daten gezeigt. Das am meisten diskutierte Thema bis zum Wahltag war das klassisch von der SPD besetzte Thema „Arbeit & Soziales“. Die Parteien, die am häufigsten erwähnt wurden, waren 1. FDP, 2. SPD und erst dann als 3. Die CDU! Und auch im Wahlendspurt war die SPD die Partei, die im Netz am aktivsten war. Der Ausgang hingegen ist anders gewesen. Die FDP wurde aus dem Bundestag gewählt, die SPD hat ein schlechtes Wahlergebnis erzielt und die CDU unter Angela Merkel hat haushoch triumphiert, so wie es die klassischen Meinungsumfragen prognostiziert hatten!
  3.  Im Netz und besonders auf Twitter wurden die Koalitionsverhandlungen zwischen der SPD und der CDU unter dem Hashtag #groko wochenlang mehrheitlich kritisch beäugt. Die Opposition selbstverständlich die berufsbedingt Kritik äußert, SPD-Anhänger die der Koalition mit dem Wahlkampfgegner CDU skeptisch gegenüber standen und natürlich einige SPD Ortsverbände und die Jugendorganisation „Jusos“ hatten deutlich Front gemacht. Parallel dazu fand aber auch ein von der SPD Parteiführung initiiertes Mitglieder Votum statt, das rund 470.000 Mitglieder über die Regierungsbeteiligung hat abstimmen lassen. Ergebnis: Die Basis wurde in großer Menge aktiviert und über 75 % haben sich für die Koalition entschieden!

Das sind 3 Beispiele, die aber eines deutlich machen: Das Netz ist offenkundig(noch) kein repräsentativer Gratmesser. Meinungen auf Twitter sind (noch) nicht repräsentativ. Dementsprechend ist es ratsam, Twitter Stimmungen (noch) nicht über zu bewerten, da die Stimmung außerhalb der Netzgemeinde eine ganz andere sein kann.

Das könnte sich aber irgendwann ändern.

Allerdings solange in Deutschland Twitter von einer überschaubaren Menge an Nutzern und primär zur Nachrichten Verbreitung genutzt und weniger als Mitwirk und Teilnahme Medium wahrgenommen wird, bleibt es als Stimmungs-Medium eher mit Vorsicht zu genießen!

Von daher ist noch einiges zu tun, damit Twitter eine vergleichbare Akzeptanz und Bedeutung zuteil wird, wie in anderen Ländern.

e.

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2 Kommentare zu “Ist das #Twitter – Oder kann das weg?

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