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Helene Fischer – Chart Erfolg ist relativ

Wer sind Deutschlands Top Musik Künstler? Herbert Grönemeyer ? Die Ärzte ? Die Toten Hosen ? Nein, denn Media Control GfK behauptet, Helene Fischer sei mit ihrem aktuellen ‚Best of‘ Album die erfolgreichste Charts Queen Deutschlands – aller Zeiten!

Laut einer Media Control Meldung von dieser Woche ist sie mit dem Album 190 Wochen in den Top100 und 35 mal in den Top 10 absolute Spitze und verdrängt die Piratenbraut Andrea Berg sowie „Wolle“ Petry, die mit ihren jeweiligen Best of Alben zwar länger in den Charts, aber nicht so lange in den Spitzenregionen blieben.

Genauso haben die Statistiker errechnet, dass in der ewigen Bestenliste nur noch Pink Floyd mit ihrem Album „Wish you were here“ noch erfolgreicher innerhalb der deutschen Charts waren, wenn man internationale Künstler mit einbezieht!

Die imposante Summe von über 1,1 Millionen abgesetzten Einheiten unterstreicht diesen Fakt natürlich noch zusätzlich!

Allerdings:

Herbert Grönemeyer hat u.a. allein sein Album „Mensch“ 3,7 (!!!) Millionen mal verkauft, ebenso haben Pur, die Toten Hosen, Unheilig und zahlreiche andere deutsche Künstler noch mehr Alben in kürzerer Verweildauer in den Charts verkauft! Ohne diese Statistik anzweifeln zu wollen, aber allein die Verweildauer kann ja nun nicht aussagen wie erfolgreich ein Album ist.

Weiterhin sagt das Unternehmen, 2013 sei das Jahr gewesen mit der größten musikalischen Vielfalt und begründet das vollmundig damit, dass noch nie so viele Alben (40 Alben bei 52 Verkausfswochen) auf dem 1. Platz der Charts gelandet seien! Na dann…man könnte aber auch zu dem Schluss kommen, dass sich kaum ein Album länger als 1-2 Wochen in den Top Regionen hat halten können!

Von daher ist die von Media Control GfK ermittelte medienwirksame Statistik für mich eher fragwürdig und lässt bestimmte Faktoren außer Acht, zumal die Charts in den letzten 15 Jahren mehrfach vom Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) reformiert worden, um der veränderten Umsatzentwicklungen und besonders der Digitalisierung Rechnung zu tragen. Aber auch die Quoten für Gold und Platin Auszeichnungen wurden so weit abgesenkt, dass Künstler früher und vielfache Auszeichnungen bekommen!

1999 musste ein Künstler in Deutschland noch 500.000 Alben verkaufen, um mit Platin ausgezeichnet zu werden. 3 Jahre später wurde diese Quote fast halbiert und seit 2003 reichen dafür „schon“ 200.000 Alben!

So z. b. reichte es bis vor einiger Zeit abhängig von Jahreszeit (Weihnachten, Sommer, Herbst Veröffentlichungen) und konkurrierende CD Veröffentlichungen anderer Künstler mit 5-10.000 verkauften Singles / CD´ s  in der ersten Verkaufswoche in die Top 10 der Charts und hatte auf diesem Wege eine Öffentlichkeit hergestellt, die den weiteren Erfolg des Albums befördern konnte.

Dementsprechend gab es des Öfteren schon Verdacht auf Missbrauch – da gezielte organisierte Aufkäufe manchem Künstler Top Charts Platzierungen bescheren können. In Deutschland wurde 2005 ein Skandal publik, bei dem die Sängerin Grazia Baur und ihr Lebenspartner Manager und Produzent David Brandes zugaben, gezielt Single´ s kaufen zu lassen, um erfolgreiche Chart Platzierungen zu erreichen.

Es gab sogar organisierte Strategien, die mit wöchentlichen Aufkäufen in lediglich  3-stelliger Höhe Chart-Erfolge „clever ermogelten“!

Das Thema „payola“ ist ebenfalls immer noch ein Problem. Gerade und vor Allem in den USA, wo Radio Stationen nach wie vor ein wichtiger Verbreitungskanal für Musik sind. Auch dort gab es immer wieder bestätigte Verdachtsfälle und Gerüchte, dass die Radiostationen bestochen wurden, damit sie bestimmte Musik spielten.

Helene Fischer selbst ist ja vor 2 Jahren auch in Negativ-Schlagzeilen geraten, da ihr Manager, der mehrere Schlager-Stars betreut, dubiose Zahlungen an den damaligen MDR Unterhaltungschef geleistet hatte. Es wurde anfangs vermutet, er wollte dadurch Helene Fischer prominent im TV platzieren und ihre Karriere befördern! Aufklären und beweisen ließ sich das damals nicht, aber warf ein Schlaglicht auf die Praktiken der oft nur äußerlich „heilen Welt der Schlager-Szene“!

Dennoch muss man auch immer bedenken, dass es in der Musikszene kaum verlässliche Verkaufszahlen gibt, da die Plattenfirmen und Managements der Künstler gern ihre „eigenen Statistiken“ haben, die ihre Künstler, bzw. Absatzzahlen im „günstigen“ Licht sehen wollen. Sagt ein Verleger oder Künstlermanagement gern, dass z. B.  1.000 Platten verkauft wurden, heißt das erst mal, dass diese Summe durch den Handel vorbestellt und abgerufen wurden, aber nicht zwangsläufig immer auch, dass das Album genau so viele Abnehmer (Kunden) gefunden hat.

Problem hierbei ist aber auch, dass die effektiven Verkäufe über ein Kassen Scan Verfahren („PhonoNet“)  in den Verkaufsstellen an z. B. Media Control, Nielsen Media Research bzw. MusicDNA gesendet werden. Aber nicht jeder Einzelhandel besitzt ein solches Erfassungs-System, oder meldet entsprechende CD Umsätze ausschließlich an Media Control, die bestimmte Kriterien verlangen, damit die Verkaufsstelle als repräsentativ anerkannt wird. Es bleibt eine gewisse  Grauzone, ob und wo die CD´ s überhaupt verkauft werden!

Diese Tatsache macht sich unter anderem auch die RTL Show „Ultimative Chartshow“ zu Nutze, bei der ja gern und oft die scheinbar objektiven Berechnungskriterien der jeweiligen Show Themen propagiert werden – aber dann doch regelmäßig subjektive Kriterien (sog. „Experten-Voting“) einfließen. Auch wurde öfter schon nachgewiesen, dass einzelne Titel und deren Ranking offensichtlich „willkürlich“, oder nicht als objektiv nachzuvollziehen war.

Neuerdings kommen digitale Verkäufe über Download und seit 2014 auch Streaming Portale als Berechnungsquelle für die offiziellen Charts dazu. Lizensierte Downloadportale muss man dazu sagen, wie z. B. itunes, Amazon, Spotify oder Musicload! Auch hier gibt es mittlerweile unzählige Anbieter, die Musik zum Download anbieten, aber nicht jeder Anbieter leitet Downloadzahlen an die entsprechenden Datenerfassungs-Unternehmen weiter. Und auch hier bietet das Netz Grauzonen, da ein einzelner Nutzer bei 50 Download oder Streaming Portalen angemeldet sein kann, um über die Vielzahl von Einzelkäufen Charts zu manipulieren. Rein theoretisch natürlich!

Letztlich kann man zu Helene Fischer stehen wie man will, es ist auf jeden Fall für sie ein weiteres Zeichen ihres Erfolges, der für sich steht. Wer erfolgreich ist, hat letztlich eh immer Recht, ob man das mag oder nicht.

Ob aber Media-Control mit seinen Chart Erhebungen tatsächlich ein objektives Kriterium für den Erfolg ist, bleibt für mich ehrlich gesagt fraglich!

e.

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2 Kommentare zu “Helene Fischer – Chart Erfolg ist relativ

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