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„The [FIFA] Show must go on…“

Im letzten Sommer gab es aufsehenerregende News: die Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft – dem sportlichen Quotenbringer von ARD und ZDF schlechthin, für die beiden nächsten internationalen Fußballturniere (EM 2016 und WM 2018) werden vom Kölner Privatfernseh Sender RTL übertragen!

Ein Paukenschlag, da sich einerseits ARD und ZDF wie üblich gemeinsam um das Übertragungsrecht beworben haben, aber unter einem Spardiktat „leiden“, die sie zwingt finanzielle Obergrenzen nicht zu überschreiten. So hat also RTL den Zuschlag bekommen.

Und es bleibt den Fußball Fans erspart, dass sie die Nationalmannschaft hinter ner exklusiven „Paywall“ wie bei Sky sehen müssen. Im Prinzip ändert sich ja nix, außer, dass halt noch etwas mehr Werbung eingestreut wird. Aber wer die Sportschau oder sonstige Übertragungen der Nationalmannschaft sieht, der ist ja auch bei den „Öffis“ mittlerweile an Werbung gewöhnt.

Zumal das ZDF ja auch vor ein paar Jahren den lukrativen, aber auch teuren Coup gelandet hatte, die Übertragungen aus dem „Pay TV“ herauszueisen und zumindest die Spiele der deutschen Mannschaften zu übertragen – wenn auch auf auf ein Spiel pro Spieltag begrenzt.

So weit – so gut.

Nun steht aber erst mal die WM in Brasilien vor der Tür. Ein widersprüchliches und ambivalentes Sportereignis, das seit Wochen und Monaten von Protesten, Demonstrationen und Unmut der brasilianischen Bevölkerung begleitet wird.  Zu sehr wurde deutlich, wie sehr sich die Kluft von Gewinnern und Verlierern der WM Vergabe vergrößert. Wie sehr sich das Land und die Politik in die dubiosen Fänge einer „mafiösen Vereinigung“ – der Fifa – begeben haben.

Darüber hinaus ist die brasilianische Regierung mehr als schuldig geblieben, der Bevölkerung Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit eines sportlichen Großevents zu vermitteln, wenn es für alle sichtbar wird, dass wichtige und notwendige Infratrukturprojekte des Landes weiterhin brach liegen und  die soziale Spannungen dadurch noch weiter verschärft werden.

Kurz gesagt: die Menschen sind es leid, dass ein Verband abkassiert und die Gesellschaft die Rechnung der sportpolitischen Kollateralschäden tragen muss. Nach der WM in Südafika sind die Folgen einer solchen Politik sichtbar, wenn auch nicht in der Dimension. Und ähnliche Negativ-Erfahrungen hat ja der DOSB bei seinen beiden verpatzten Bewerbungen für Olympische Spiele erleben müssen!

ARD und ZDF haben daher bis dato in gewohnter Manier sehr viel Aufwand betrieben, nicht nur euphoriefördernd, sondern auch kritisch über die WM 2014 zu berichten. Und das sehr ausführlich, umfassend in Berichten, Features, großen Reportagen – eindrucksvoll und sehenswert! Da darf man die öffentlich-rechtliche Seite loben!

Leider, wie zuletzt bei den Olympischen Winterspielen in Sochi 2014 erlebt, endet die kritische, journalistische Akribie allerdings ab dem Zeitpunkt, wenn das Event dann losgeht. Natürlich wird dann immer noch berichtet, was sich Abseits der Sportstätten tut, aber aus meiner Sicht wird dann eher der „Chronistenpflicht“ genüge getan. „Wir haben durchaus hintergründiges berichtet“ heißt es dann immer. Ohne zu erwähnen, daß das Moderationspersonal zumeist entweder unwilig, überfordert, oder schlichtweg dahingehend instruiert war, dem Zuschauer (k)ein Gefühl für die Tragweite der Probleme zu vermitteln.

Das liegt sicher einerseits daran, dass die Öffentlichkeit aus der kritischen Begleitung in einen „erwartungsfreudigen-publicviewing-feier-mitfieber Euphorie-Modus“ abdriftet und die negativen Aspekte in den Hintergrund treten. Nach dem Motto ‚Sport ist Sport‘ und ‚Politik ist Politik‘.

Obgleich niemand mehr ernsthaft leugnen könnte, dass beides unabdingbar miteinander verzahnt ist!

Ein anderer Grund liegt darin, dass die Sender natürlich großes Interesse daran haben, dass die Zuschauer begeistert an den Empfangsgeräten kleben. Schließlich wurde ja auch immens viel Aufwand betrieben, dem Zuschauer das Event in die Wohnstuben und Outdoor Fanmeilen zu bringen. Dementsprechend wird dann ja auch ne Quote erwartet, die den ganzen Aufwand irgendwie rechtfertigt – in der Rundfunklogik, versteht sich! Da passt es dann nicht ins Konzept, wenn man sein eigenes Sport-Produkt mies macht, nur um seine kritische Haltung zu bewahren.

Wer aber die neuesten Entwicklungen rund um die Vergabe der WM 2022 in Katar verfolgt hat, den menschenunwürdigen, sklavenähnlichen Umständen der Arbeiter, von denen einige sogar zu Tode kamen und nicht zuletzt den mehr als dubiosen (um nicht zu sagen korrupten) Vorgänge bei der Vergabe, bei denen die FIFA und sein als „aufklärender Saubermann“ getarnter Funktionärs-Pate Sepp Blatter wieder Mal alle ethisch/moralischen Tiefen der Sportpolitik ausloten, der wird (muss) sich nunmehr fragen:

Was veranlasst ARD und ZDF, in Kenntnis all dieser Aspekte, im Bewusstsein der immer geringer werdenden Akzeptanz, die Übertragungsrechte für eben diese WM 2022 in Katar zu erwerben?

Denn sollten sich die Berichte und Indizien bewahrheiten, so stünde die Fifa vor einem (DEM) Scherbenhaufen, vor dem sie seit Jahren durch ihren Chef Blatter trick- und fintenreich wegzulaufen vermag. Darüber hinaus wird ein Sepp Blatter als Fifa Chef nicht mehr zu halten und selbstverständlich wird die Vergabe und Austragung der WM in Katar nicht mehr zu rechtfertigen sein!

Aber die Entwicklungen abzuwarten, oder gar ein selbstbewusstes Signal Richtung Öffentlichkeit und Fifa zu setzen und zu demonstrieren, dass man unter den bisherigen Bedingungen keine öffentlichen Gebühren Gelder verwendet um ein fragwürdiges, möglicherweise unter kriminellen Umständen entstandenes Sportevent zu finanzieren, scheint nicht möglich zu sein!

Nein, das lässt man sich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nehmen. Zwar sagt man gebetsmühlenartig, dass man umsichtig und verantwortungsvoll mit dem Geld der Gebührenzahler umgehen will, verzichtet sogar auf Quali Spiele der Nationalmannschaft, aber schaufelt im Gebühren Etat sicherlich 3 stellige Millionenbeträge frei, um diese in Kanäle zu schieben, von denen man ausgehen kann (muss), dass damit die „dunklen Machenschaften“ der Fifa weiterhin mit unterstützt werden.

Aus dieser Verantwortung können sich ARD und ZDF dann auch nicht mehr heraus reden!

Die natürlich auch nicht unwichtige Transparenz-Frage nach dem: „Warum wird über die Summe stillschweigen vereinbart?“, sei da nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt. Ebenso wie die Tatsache, dass die Gremien der Sender zwar noch nicht final den Deal abgesegnet haben, was aber erfahrungsgemäß nur noch ne Formalie ist.

e.

P. S. Damals als es um Radsport Übertragungen, Doping und das Sponsoring-Engagement der ARD mit dem „verseuchten“ Team Telekom ging, haben die „Öffis“ schnell und radikal gehandelt und die Verträge mit der UCI beendet/nicht verlängert! An diesem Status hat sich bis Heute nichts verändert!

 

Artikel Bild Quelle: © Agencia Brasil unter Creative Commons License Attribution 3.0 Brazil

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Ein Kommentar zu “„The [FIFA] Show must go on…“

  1. Es ist eben immer und überall auf der Welt gleich – Geld regiert die Welt. So ist das und so wird es wohl leider auch eine ganze Weile bleiben.
    Ich bin schon seit Jahren für eine Abschaffung der Rundfunkgebühren…wenn man sich mal genau anschaut was für Unsummen da zusammenkommen und was damit gemacht wird und wie viel Werbung da läuft, ist das echt unter aller Kanone……zur WM und auch sonst
    Liebe Grüße

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