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CD der Woche [Cloud Boat ‚Model of You‘]

Die Songs des englischen Duos Cloud Boat laufen seit Wochen bei mir in Dauerschleife. Ausgehend vom Song ‚Carmine‘, den ich bei einer meiner „Stöber-Stunden“ im Netz entdeckt habe. Ich weiß gar nicht mehr genau WO genau ich drüber gestolpert bin. Wahrscheinlich war es irgendein Zufall, dass ich gerade den Song zum Hören gewählt und nicht übersprungen hatte.

Ist ja nicht so, dass es einem leicht gemacht wird seine „Perlen“ zu entdecken, da Musik mittlerweile aufgrund der Digitalisierung und der daraus resultierenden, immer noch nicht ausgereizten Streaming-Dienst-Entwicklung, Musik zu einem „immer und überall verfügbar“ Konsumgut geworden ist.

Das ist sicher nicht immer gut, weil die Profiteure oft nicht die Künstler selbst sind und ein Stück Identifikation mit der Musik als emotionales Erlebnis verloren geht.  Musik wird heute nicht mehr gekauft, zelebriert, sondern bei Spotify & Co per Abo „gemietet“. Ein bisschen so empfinde ich es!

Andererseits entsteht immer mehr auch ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Agieren der Künstler, besonders in der Indie-Szene, die sich die neugewonnene Selbstvermarktungs-Freiheit nehmen, Musik nicht mehr nur noch in vorgegebenen Label-Erwartungs-Zyklen zu produzieren, sondern Musik zu produzieren, wenn Musik produziert werden „will“! Und dann muss es ja auch nicht mehr die klassische CD alle 3-4 Jahre sein, sondern die Ausgabeform heißt mehr und mehr EP! Ob nun 2, 4 oder 5 Tracks. Die Songs sind da und wollen präsentiert werden. Oft sogar auch kostenlos zu erwerben!

Und genau diese Entwicklung kann Künstler ja auch in ihrem kreativen Schaffen beflügeln, weil sich die Mechanismen verändert haben. Früher sagte man ja, dass das 1. Album den Grundstein legt, das 2. Album aber über Karrieren entscheidet. Diesen Trend empfinde ich aus obigen Gründen etwas gestoppt, da könnte ich viele Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit aufzählen und würde unweigerlich im Hier und Jetzt – bei CLOUD BOAT – ankommen!

Denn auch sie hatten 2013 ihr Debüt Studio Album namens „Book of Hours“ veröffentlicht, dass im urbanen DubStep-Umfeld entstanden ist und eben auch innerhalb dieses Genres verortet blieb. Das war sicher auch ein Grund warum es mir „verborgen“ blieb, was sich aber mittlerweile geändert hat.

Nun steht schon ein neues 12-Track-Album am Start: Model of You! Und was für eins! Das was Tom Clark und Sam Ricketts hier abgeliefert haben, gehört meiner Meinung nach jetzt schon vorsorglich in jeden musikalischen Jahresrückblick 2014 – und zwar in die Rubrik „absolute Highlights“ …und mit Schleifchen drum!

Ein Album von dem ich denken würde dass es Jahre des „Bastelns, Tüftelns und Stellschraubendrehens“ bedurfte. Zumal die beiden ja gern Field Recordings betreiben, also mit Mikrofonen unterwegs sind, um natürliche Klänge aufzunehmen, zu digitalisieren und in ihre Arrangements einzuweben. Fakt ist aber, dass das Album nur ein Jahr nach dem ersten Album fertig produziert und veröffentlicht wird.

Und wer jetzt hier ein weiteres DubStep Album erwartet, der wird ziemlich verwundert sein. Alle anderen bekommen leuchtende Augen. Natürlich gibt es immer wieder auch dubsteppige, Drum&Bass-Strukturen (The Glow), großflächige Synthesizer Teppiche wie beim grandiosen, epischen Album Finale (Hallow)– aber im Vergleich zum Debüt Album muss man Model of You in einem neuen Kontext sehen, was seine Genre-Fesseln vorsichtig aber zielbewusst abstreift!

Es ist ein mutiges Album, weil es Sänger Sam Clarke gelingt eine Atmosphäre zu schaffen, in der Emotionen und lyrische Tiefe Platz haben, aber das nie deprimiert, sondern hell, erhaben („dreamy“) wirkt und ja, auch Freude beim Zuhören auslöst. Ein gelungenes Beispiel dafür bietet schon der hymnische 2. AlbumTrack (Hideaway)!

Ich mag es ja auch gern, wenn Electronic-Pop (und das ist Model of You letztlich) sich mit echten Instrumenten verbindet, auch wenn heutzutage die digitale Reproduktion kaum noch Unterschiede erkennen lässt. Ich finde das macht elektronische Musik organischer, reicher. Und genau das passiert hier auch. Feine Gitarren-Licks und prägnante Riffs (Prelude, Golden Lights), Grand Piano (Told you so) gehören genauso dazu und machen das Album vielschichtig und abwechslungsreich.

Aber all das wäre natürlich alles nicht denkbar, wäre da nicht Sam Clarkes dunkle und melancholische Stimme! Sie schwebt über den poppigen Tracks mit Ohrwurm-Potenzial (Aurelia), oder lässt sich in die gedankenschwere, soulige Melancholie (Bricks are for, All of my Years) zurück fallen.

Dies mehr findet sich auf diesem wirklich bemerkenswerten Stück Musik. Und ich könnte jetzt noch mehr Tracks erwähnen, aber allein diese Auswahl wird aus sich selbst heraus nach „mehr“ rufen!

Und wenn der Begriff >Pop-Album< nicht schon längst fast bis in die beliebige Unkenntlichkeit verzerrt wäre, würde ich an dieser Stelle sagen, dass Model of You ein Pop-Album im allerfeinsten Sinne ist.

Vielschichtig, emotional, großartig!

e.

 

 

Bildquelle: Bleep

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6 Kommentare zu “CD der Woche [Cloud Boat ‚Model of You‘]

  1. Also ich flippe ja auf Cloud Boat schon seit Ende 2012 aus und Book Of Hours war meine #1 2013, aber jetzt ist es schon wieder ein großer Wurf geworden. Fast beängstigend, aber wahnsinnig schön.

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