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Edwyn Collins und die „unbegrenzten Möglichkeiten“

Edwyn Collins, Jahrgang 1959 ist ein schottischer Musiker und Produzent und zählt zu den bekanntesten schottischen Indie/Rock Musikern. Einflussreich deswegen, weil er Wegbereiter und musikalisches Leitbild heute aktueller Künstler wie Franz Ferdinand ist! Angefangen Musik zu machen hat er in der 1970ern und mit seiner ersten Band „Orange Juice“ hatte er in GB Anfang/Mitte der 80er Jahre einige Hit Singles und sich eine große Fangemeinde erspielt. Allerdings löste sich die Band dann auf und Edwyn begann seine eindrucksvolle Solo Karriere.

Natürlich bin ich auch kein Fan der ersten Stunde und es werden sich junge Leute nicht mehr sehr an den Namen Edwyn Collins erinnern, aber wenn sie allein die ersten Klänge der Single ‚A Girl like You‘, vom 1994er Album „Gorgeous George“, hören, das ihn schlagartig zu einem weltweit bekannten Musiker machte, dann zeigt sich wie präsent die Stimme und sein Songwriting-Talent bis heute sind!

Edwyn Collins – ‚A Girl Like You‘ [Directed by Gavin Evans]

Klar war das auch für mich n Riesen Song, der mich sofort neugierig auf das Album gemacht hatte. Coole Songs im 60er Northern Soul Gewand gepaart mit seinen markant ironischen Untertönen und augenzwinkernden Andeutungen. Aber es sollte noch besser kommen, Denn 1997 kam dann der Nachfolger „I´m not following you“ raus, dem man den größeren Produktionsspielraum anmerkte…mit der Betonung auf „spiel“. Denn die Songs waren auf einmal aufwändiger produziert, noch verspielter und im positiven Sinne „durchgeknallter“.  Ich erinnere mich an den CD Verkäufer der mir das Album empfahl mit den Worten „Da tobt er sich erst richtig aus!“ Und er hatte recht, allein die erste Single ‚The Magic Piper‘ war der nächste ironische Ohrwurm mit noch mehr Retrosound, Querflöte und „verspielt psychedelic Indie Hooks“.

Edwyn Collins – Magic Piper (Of Live) [Live National Lottery UK TV]

Dann aber wurde es etwas stiller um ihn. Selbst das 2002er Konzept Album „Doctor Syntax“ rauschte ungehört an mir vorbei und der Name Edwyn Collins geriet auch bei mir in den Hintergrund.  Erst 2005 machte Edwyn wieder Schlagzeilen, allerdings auf eine dramatische Art: Es wurde bekannt dass er während eines Radio Interviews ein gewisses Unwohlsein verspürte, das sich wenige Tage später als Schlaganfall in Verbindung mit einer Gehirnblutung erwies! Die Situation war kritisch. Noch dramatischer wurde es allerdings als er Tage später einen 2. Schlaganfall bekam und ihn in akuter Lebensgefahr brachte!

Glücklicherweise kam es nicht zum Äußersten und er überlebte! Allerdings waren die Auswirkungen sehr massiv: Sein Erinnerungsvermögen wurde massiv geschädigt, seine Motorik der rechten Körperhälfte und auch sein Sprachvermögen! Es bedurfte intensiver langwieriger Reha Maßnahmen, um ihn wieder halbwegs auf die Beine zu bekommen und die Folgen sind bis heute sichtbar und vorhanden! Er muss heute einen Stock verwenden, sprechen und das Erinnern fällt sehr schwer und sein geliebtes Gitarre spielen ist durch seine eingeschränkte Arm Motorik kaum wieder herzustellen. Aber er machte Fortschritte. Mit Hilfe seiner wunderbaren langjährigen Ehefrau und Managerin Grace Maxwell und Sohn Will gelang es ihm wieder Lebensmut zu fassen und sich zurück ins Leben und zurück zur Musik zu kämpfen und zu arbeiten

2007 war auch ungefähr die Zeit als ich wie viele andere Menschen weltweit in die musikalische Social Media Welt eintauchten und wir alle auf einmal einen Myspace Account hatten und anfingen uns zu vernetzen mit Freunden, dabei Musik hörten und ich feststellte dass sich die Musik Industrie dramatisch veränderte. Auf einmal waren es nicht mehr die großen Musik Verlage, die uns vorsetzten wer wichtig und neu war, sonder die Musiker selbst nahmen das Selbstvermarktungs Heft in die Hand. Erstellten ein Profil und begannen sich und ihre Musik innerhalb der Myspace Welt zu verbreiten. Es war auch für mich eine spannende Zeit, das zu beobachten und zu begleiten, da viele neue aber auch etablierte Künstler greifbar wurden und den persönlichen Kontakt zu den Fans ermöglichten! Und vor allem war es eine Zeit wo ich mich wieder an Edwyn Collins erinnerte, ihn in meine Myspace Seite hinzufügte und sogar hin und wieder mit ihm persönlich, oder aber mit seinem Sohn Will, der seine Myspace Seite betreute, ein paar Worte wechselte – natürlich auf einer „Künstler-Fan-Ebene“.

Edwyn und Grace zogen dann von London zurück in seine vertraute schottische Heimat Helmsdale, bauten sein Studio dort wieder auf und 2007 schaffte er es wieder mit seiner alten Band und viel Geduld ein musikalisches Lebenszeichen zu veröffentlichen. Das Album trug den bezeichnenden Titel „Home Again“ und erreichte immerhin ohne viel Aufmerksamkeit die britischen Charts! Mehr als ein Achtungserfolg!

In dieser Zeit wurden die schottischen Medien dann auch aufmerksam und es entstand 2007/2008 eine schöne sehenswerte Dokumentation der BBC: Home Again – Documentary BBC Scotland 

Und EC begann sich mutig und selbstverständlich wieder öffentlich zu zeigen, um seine Musik zu präsentieren. Sogar ein erstes Video wurde gedreht um die bemerkenswerte Single ‚You´ll never know“ zu promoten:

Edwyn Collins – „You’ll Never Know“

Das ermutigte ihn weiter zu arbeiten an seiner Genesung und seiner Karriere. 2010 folgte dann das nächste Album mit dem Titel “Losing Sleep”, auf dem ihn dann sogar musikalische Weggefährten und aktuelle Künstler u.a. Alex Kapranos, Sänger von Franz Ferdinand unterstützten und auch im Video zur großartigen Single Auskopplung ‚Do it Again‘ zu sehen waren:

Edwyn Collins – „Do It Again“: [SXSW 2011 Showcasing Artist (feat. Alex Kapranos & Nick McCarthy // Franz Ferdinand)]

Besonders beeindruckend war auch, dass er den Mut fand, trotz der nach wie vor sichtbaren Folgen und Einschränkungen den Weg auf die Bühne – zu seinen Fans- zu suchen…und ihn zu finden! Seinen größten Hit präsentierte er 2013 in der schottischen Hauptstadt Glasgow:

Edwyn Collins – Girl Like You [Live – 18 April 2013 Glasgow]

Den sehr persönlichen Song ‚Ghost of a Chance‘, der ihm besonders am Herzen lag und liegt, präsentierte er einen Monat später souverän und selbstbewusst im englischen Brighton:

Edwyn Collins – Ghost Of A Chance – Live in Brighton, 25/04/2013

Im selben Jahr 2013 veröffentlichte Edwyn dann ein weiteres persönliches Album „Understated“ und die beiden Regisseure Ed Lovelace und James Hall drehten ein Video von Edwyn für den Song ‚Dilemna

Edwyn Collins – ‚Dilemna‘

Erwähnenswert deswegen, da es auch gleichzeitig die 2 Filmemacher waren, die ihn sehr behutsam und einfühlsam über die Jahre begleitet und seine Entwicklung dokumentiert hatten und begannen das fertige Dokumentarfilm Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Dafür präsentierten sie es weltweit auf Film Festivals. Das Ergebnis ist ein wirklich wunderbar rührendes und bewegendes Langzeit Portrait mit dem Titel:

The Possibilities Are Endless

The Possibilties are endlessDer Titel ist abgeleitet von der Zeit seiner Schlaganfälle und der ersten Reha Maßnahmen, die er mit diesen Worten („the possibilities are endless“) begleitete um daraus Hoffnung zu schöpfen! Ein Film, der zeigt, wie ein Mensch trotz eines schweren Schicksals Schlages und seinen Folgen wieder ins Leben zurück findet.

Und nicht nur das, sondern nie die Hoffnung, Freude und Optimismus verliert…und sein Lachen zurück gewinnt!

Ein bewegendes, weil unverstelltes und ungeschöntes Portrait, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Leider kommt der Film erst mal nur in England im November in die Kinos, aber ab dem 20. Oktober 2014 kann man den Film über itunes ansehen!

Für mich ein MUSS (!) und auch hoffentlich für alle EC Fans! Ein Film, der sicherlich nicht ohne die Hilfe seiner wirklich großartigen Frau Grace, seinem Sohn Will, seinen Musikerfreunden, seinen Fans zustande gekommen wäre, die ihm Kraft und positive Energie vermittelt haben.

Und letztlich dank seiner großen Leidenschaft: der Musik! Einen Soundtrack zum Film gibt es natürlich auch und auf dem sind neue und neu-aufgenommene Titel.

e.

Trailor zum Film | Edwyn Collins Facebook | Edwyn Collins Twitter | Film Website

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Ein Kommentar zu “Edwyn Collins und die „unbegrenzten Möglichkeiten“

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