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BandAid30 und der WeihnachtS-HIT

“It´ s Christmas time – and there´s no need to be afraid”

Oder um es etwas freier zu übersetzen: “Fürchtet euch nicht, es ist bloß Weihnachten!“

Und dennoch musste man dieser Tage einige jüngere und ein paar ältere Menschen, aus ihren Privatflugzeugen aussteigen und in einem Aufnahmestudio im vornehmeren Teil Londons hinein gehen sehen, die mit gut gelaunten Mienen den Fans zuwinkten, als würden sie sagen wollen:

#BandAid30

#BandAid30

„Wir sind es bloß, eure Künstler von Band Aid, die nach 30 Jahren einen Song neu aufnehmen, um euch ins Gewissen zu rufen, dass wir Hunger und Armut überwinden müssen. Das heißt nee, waren ja schon mal Thema. Was gibt´s noch? Ach ja, diese Ebola Sache ist ja derzeit auch so schlimm! Also ist das Motto: „Wir müssen Ebola, diese fiese, heimtückische Seuche bekämpfen. Selfies kommen auch gleich. Yeah, that´s Rock´n´Roll…Peace!”

Denn wie die erste Titelzeile ja schon unmissverständlich klar macht, es ist Weihnachten! Und Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit und der Erinnerung – auch an das schlechte Gewissen. Dafür haben Medienstrategen ja u.a. den Begriff „Spendenmarathon“ erfunden, den auch die Fernsehsender dankbar übernommen haben.

Und wer es erfolgreich geschafft hat, in den Konsumtempeln und Supermärkten das Weihnachtssortiment zu ignorieren, der wird allerspätestens jetzt begriffen haben; es kann unmöglich Ostern sein! Und während manch einer bemüht ist, sich mit ausreichend Glühwein zu bevorraten, um einerseits Alternativen zum überteuerten und geschmacksvermeidenden Weihnachtsmarkt Discounter Trunk zu schaffen, tun dies andere um für den bevorstehenden alljährlichen angelsächsischen Liedgut Kulturschock gewappnet zu sein.

3 Dekaden „Last Christmas“ lassen zwar jedes Jahr den Steuerberater von George Michael aufs Neue grinsen, aber so manch einen Mittvierziger kopfschüttelnd sinnieren: „ich hatte die 80er gerade wieder verdrängt!“

Und weil es nun 2014 ist, beehren uns 2 alte Freunde wieder. Naja, der eine ist eigentlich immer und überall da, heißt Bono und singt hauptberuflich in der irischen Band U2, die mal für ihre christliche Ausrichtung bekannt war. Dieser Bono muss sich aktuell von den schmerzhaften und hämischen Kritiken seiner überaus lukrativen, aber für manche Musiker Kollegen unsolidarischen Zusammenarbeit mit einem Technologie Konzern erholen. Soziales Engagement und die einhergehenden Lobpreisungen täten da der „geschundenen Seele“ sicher gut!

Der andere der beiden Freunde ist immer mal wieder da, der heißt Bob Geldof, ist auch Ire, von dem man aber ansonsten nicht so genau weiß, was er denn so treibt. Aber er ist ebenfalls in den 80ern zu Ruhm und Ehre gekommen, weil er um das wohl der 3. Welt besorgt war. Ganz besonders um den afrikanischen Kontinent.

Beide zusammen haben schon viel erlebt, haben n Song veröffentlicht. Ein großes Konzert veranstaltet, dann den gleichen Song nochmal veröffentlicht, nur mit anderen Künstlern. Dann den Song ein weiteres Mal veröffentlicht und noch n Konzert veranstaltet und der Logik folgend eben dieses Jahr wieder diesen Song veröffentlicht. Wieder mit anderen Künstlern aber diesmal mit dem Ziel „Ebola zu bekämpfen“. Und es ist sogar aufgefallen, dass man in diesem Zusammenhang mal inhaltliche Schwachstellen des Songtextes überarbeiten und zeitgemäßer machen könnte! Puh…

Von dem ehemals imposanten Line-up der Original Band Aid Besetzung ist heute, 30 Jahre später leider auch nur noch ein kärglicher Rest übrig geblieben – eben die beiden besagten welt-sozialpolitischen „Klassensprecher“ der Musik Community: Bono und Bob Geldof!

Alle anderen Künstler, sind nicht mehr musikalisch aktiv, wurden nicht gefragt, oder hatten schlichtweg wenige Ambitionen. So auch das „eigenwillige“ britische Pop Wunderkind Adele, die wohl auf ihre bekannt unberechenbare Weise vermitteln ließ, dass sie wohl in eigener Sache derzeit aktiv sei und daher nicht teilnehmen könne. Dieses wiederum wurde dann von Sir Geldof mit ebenfalls von ihm nicht unbekannten rüden und beleidigten Kommentaren zur Kenntnis genommen.

Allerdings waren bei all seinen Bemühungen, Musiker Kollegen für seine Projekte zu gewinnen immer wieder Gerüchte laut geworden, die schon etwas merkwürdig anmuteten. Meist ging es um die herrschsüchtige und herablassende Art von Herrn Geldof, der andere Künstler einfach öffentlich verpflichtete, bevor sie gefragt wurden, oder wieder andere aus fadenscheinigen Gründen auslud, bzw. nicht beteiligte, obwohl sie Bereitschaft signalisierten. Dies gilt besonders für seine gedankenlose Nicht-Berücksichtigung afrikanischer Künstler beim letzten Konzert Projekt „Live 8“, wo ihm erst im letzten Moment vermittelt werden musste, dass es vielleicht keine schlechte Idee sei, in all dem punktuell seelenlosen Pop Getöse dann doch auch noch die Menschen zu Wort kommen zu lassen, um die es ja eigentlich geht!

Auch gab es immer wieder Kontroversen darüber, dass 2005 das angestrebte Ziel des Schuldenerlasses für die ärmsten Länder Afrikas dadurch erreicht wurde, dass man einfach hinterher verkündete, dass ein Großteil der Schulden erlassen wurden. Aber dabei verschwieg Bob Geldof, dass dieser Schuldenerlass unabhängig vom Live 8-Künstler-Appell teilweise längst beschlossene Sache war. Darüber hinaus wurden die Schuldenerlasse mit Investitionsausgaben der Geber-Staaten so verrechnet, dass diese Investitionen am Ende sogar geringer ausfielen als eigentlich angedacht! Aber das ist eben Politik, da steckt man nicht drin.

Ich gebe zu, es ist sicher nicht leicht Gutes zu tun, besonders wenn man als Prominenter ein ehrliches Interesse hat, Menschen in akuter Not zu helfen. Jede Ungereimtheit in den Bemühungen wird öffentlich diskutiert und auch kritisiert. Je größer die Bemühungen, desto größer ist die mediale „Begleitmusik“.

Manchmal ist die Widersprüchlichkeit des Handelns aber eben auch „hausgemacht“:

Dies gilt in besonderem Maße für Bono und Bob Geldof – einerseits bekannt dafür durch legale (aber zumindest moralisch fragwürdige/unsolidarische) Steuer-Sparmodelle ihrer irischen Heimat (die durch die EU vor der Pleite gerettet werden musste) und letztlich der Allgemeinheit Gelder vorzuenthalten (zu entziehen), dann aber Regierungen der Welt und die Allgemeinheit aufzufordern Geld für Afrika und gegen Ebola bzw. nun schon zum wiederhoten Male in eine Single zu investieren, die mittlerweile auch zu einer Muster Schablone geworden ist, in der man Text Bausteine beliebig austauschen und dem jeweiligen caritativen Anlass anpassen kann.

Mag sein dass das zynisch von mir klingt…aber vielleicht beherzigen wir wieder mehr das Zitat: „Tue Gutes und rede nicht drüber!“

Oder wie jene Adele, die (vielleicht nicht ganz freiwillig) ihre Brieftasche aufgemacht und beim unabhängigen Hilfsorganisationen Verbund Oxfam Geld für die Ebola Hilfe gespendet hat

Das kann übrigens jeder (siehe Oxfam Link)…nicht nur zu Weihnachten!

e.

 

Bildquelle Putin // Bildquelle George W. Bush (Public Domain)

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2 Kommentare zu “BandAid30 und der WeihnachtS-HIT

  1. Warum es jedes Mal derselbe Song sein muss, habe ich mich auch schon gefragt…..allerdings frage ich mich auch warum offensichtlich die Mehrheit der Menschen „Last Christmas“ hören will…
    Neu ist ja auch das deutsche Pendant der ganzen Geschichte….
    Ebola ist eine enorm ernst zu nehmende Katastrophe, die absolut nicht in Vergessenheit geraten sollte (ganz abgesehen davon, dass die Hilfe da eigentlich schon viel früher dringend gebraucht wurde) und ein „Weihnachtssong“, bei dem sich die Größen der Branche (im Idealfall neben ihren privaten Spenden) zusammentun und der Erlös dann einem guten Zweck zugute kommt, ist vom Gedanken her super.
    Allerdings muss ich dir Recht geben, dass leider immer mal wieder Fälle auftreten, in denen es den Größen weniger um den guten Zeeck, als um das eigene Image geht…..und das ist dann im Endeffekt irgendwie trauriger als hätten sie gar nichts gemacht….ob das bei Bono und Bob Geldof so ist, kann und will ich nicht beurteilen….sollte es aber so sein, wäre das extrem traurig
    Liebe Grüße Tina

    Gefällt 1 Person

    • Du hast recht und ich schrieb j a auch dass jeder der agiert auch Fehler machen kann. Aber zu agieren ist immer besser als zu resignieren. Ich würde mir halt nur wünschen dass differenzierter über Afrika geredet und nicht nicht nur in Aktionismus verfallen wird wo Songs immer wieder recycelt werden die schon keinen aktuellen bezug mehr haben.

      Liebsten gruss zurück

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