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Tour de France und Chris Froome – Nur der Doping-Verdacht allein reicht nicht!

Zugegeben, Radsportler Chris Froome gehört nicht zu meinen Lieblings Sportlern!

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© Igs165

Nicht mal in die Riege der Radsportler, der man souveräne Siege bedenkenlos gönnt. Zu sehr sind seine Leistungen überragend bis fragwürdig.

Und immer wieder kommen auch bei mir Parallelen zu Fabel-Leistungen á la Lance Armstrong, Alberto Contador und anderen Spitzen Radsportlern in den Sinn, deren vergangene Leistungen nun erwiesenermaßen, bzw. höchstwahrscheinlich durch systematisches Doping zustande kamen, oder wie im Falle der Behauptung Contadors, durch „die Einnahme von verunreinigtem Fleisch“. Fachleute wissen, wie solche Aussagen zu bewerten sind…

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang ja auch, dass Contador nach seiner Doping Sperre mittlerweile wieder sehr erfolgreich ist und auch große, dreiwöchige Landes-Rundfahrten gewinnt, aber die „absurde“ Dominanz, bei der er auf Hochgebirgs Etappen fast mühelos der Konkurrenz davon fuhr, ist so nicht mehr zu sehen. Auch er zeigt immer wieder auch „körperliche Reaktionen von Erschöpfung“. Das ist auch gut so!

Ja, Chris Froome gehört auch irgendwie gefühlt in diese Kategorie. Klar, ihm ist bis heute, trotz intensiver Kontrollen durch Anti Doping Maßnahmen, seiner Beteuerungen „sauber“ zu sein und Transparenz Bemühungen seines finanz- und medienstarken Radsport Teams „SKY“, nichts vorzuwerfen.

Nach heutigem Stand muss man Froome als sauber betrachten. Alles andere ist Spekulation bis hin zur üblen Nachrede, gegen die sich letztlich auch ein Chris Froome in der gleichen Schärfe verwehren darf!

Ich kann allein aus diesem Grund gut verstehen, warum Froome mittlerweile genervt über die nicht aufhören wollende öffentliche Skepsis ist. Aus seiner Sicht hat er nichts Unrechtes getan und kann es daher auch nicht verstehen, warum er für die „Sünden der Radsport Vergangenheit“ in Sippenhaft genommen wird. Als sei er das Synonym für die Verfehlungen der Kollegen, die in der Hochphase der Doping Problematik im Radsport jedes „Mittel“ zur Leistungs-Steigerung in Kauf genommen haben, um konkurrenzfähig zu sein. Schließlich hat es ja gefühlt jeder Radsportler so gemacht.

Schlimmer daran waren aber die unsäglichen Unschulds-Beteuerungen, die sich allzu oft als Schutzbehauptungen, Halbwahrheiten und als blanke Lügen herausgestellt haben. Die Causa Armstrong sei hier exemplarisch für systematisches Lügen, Vertuschen und Bedrohen/Einschüchtern der Kritiker genannt.

Allein deswegen ist der Zweifel und tendenzielle Vorverurteilung allgegenwärtig und deswegen fährt der Verdacht halt auch immer mit!

Auch bei der aktuellen Tour de France 2015 geht das muntere Medien Quiz „Ist er sauber, oder nicht“ weiter und nimmt unappetitliche Züge an. Nahezu in jeder Pressekonferenz muss sich Froome der bohrenden Fragen der Journalisten erwehren, die seine Dominanz als Spitzenreiter kritisch begleiten.

Denn auch als Zuschauer kann man erkennen, der Tour Sieg geht nur über Froome, denn er fährt bislang eine souveräne Rundfahrt. Er hat, anders als im vergangenen Jahr nicht mit Stürzen, Defekten und letztlich mit vorzeitigem Ausstieg zu kämpfen. Er ist auf den Punkt fit, in der Lage und bereit, um den wiederholten Gesamtsieg zu fahren! Das ist keine Überraschung, vielmehr die Bestätigung dessen, was man eh im Vorfeld erwartet hat.

Überraschend ist vielmehr, dass Konkurrenten, wie die ehemaligen „Dominatoren“ Vincenzo Nibali und Alberto Contador eben nicht mithalten können. Bei Contador könnte man sagen, er hat sich vielleicht aus der Form gefahren beim Giro d´ Italia, den er zwar gewonnen hatte, aber das war auch eine dreiwöchige Rundfahrt. Auch so etwas zieht viel Substanz aus einem Körper. Bei Nibali weiß man es nicht genau, warum er so chancenlos ist. Liegt es an der Gesundheit/ Beschwerden, die er während dieser Tour hat? Zeigt sich einfach nur, dass er letztes Jahr nicht so sehr gefordert wurde, da eine ganze Reihe von Konkurrenten frühzeitig aussteigen mussten?

Einzig der Kolumbianer Quintana zeigt sich einigermaßen imstande zumindest mitzuhalten. Gefährden kann er Froome allerdings sicher nicht (mehr). Auch das ist keine so große Überraschung!

Zu einem Eklat kam es allerdings gestern, als ein aufgebrachter Fan dem „angeblichen Doper“ Froome einen Becher Urin (Urin-Proben gelten als Nachweis-Quelle für Doping Einnahmen) quasi an den Kopf warf.

Bei aller Kritik, soweit darf es nicht gehen! Solche Menschen sind keine Fans, sondern Leute, die man anderenorts bei Sportveranstaltungen nicht haben will und zurecht aussortiert!

Kein Sportler kann bei solchen Ausschreitungen gelassen bleiben!

Fragwürdig ist aber leider ebenso auch, wenn ein Journalist wie Eric Böhm, vom Sportsender Sport1, Froome in einem Tweet „arrogantes Verhalten“ vorwirft, ihm die „Klasse eines Champions“ abspricht, weil dieser im sportlichen Wettstreit und im Kampf um Sekunden unbedingt und verbissen als Sieger hervorgehen will. Froome also somit öffentlich diskreditiert.

Im Nachklang beschwert sich der Journalist dann auch noch darüber, dass Chris Froome (oder die Medienvertreter seines Teams) ihn daraufhin „blockiert“, sodass der gegenseitige Twitter Meinungsaustausch unterbunden wird und hält ihm „Dünnhäutigkeit wie einst Armstrong“ vor.

Na herzlichen Glückwunsch! Als persönliche Meinungsäußerung mag das noch vertretbar sein. Im Rahmen seiner journalistischne Tätigkeit einen Sportler persönlich anzugreifen, im Bewusstsein, der eh schon negativen Stimmung gegen Froome; mehr als unnötig!

Was daran „bizarr“ sein soll, wie Böhm dieses Blockieren“ nennt, weiß ich nicht. Sicher nicht professionell, aber ein Journalist, der die sachliche Faktenlage scheinbar nicht wahrhaben will und auf Stimmungsmache umschwenkt, ist sicher auch nicht professionell.

Und als wenn viele Journalisten nicht mindestens genauso dünnhäutig sind, wenn sie nicht mit der gewünschten (Be-)Achtung versehen werden. Als ob Journalisten nicht auch dazu neigen können, Retourkutschen zu verteilen etc…

Als Journalist kann man nahezu alles Behaupten und mit sprachlichen Stilmitteln jede gewünschte „Botschaft“ zwischen die Zeilen schieben, um jemanden in Frage zu stellen…Kritik und Vermutungen auszusprechen.

Und wie in dem Fall kann man sich auch nicht dem Eindruck verwehren, dass manche Journalisten aufgrund der fehlenden Beweise in Bezug auf Doping Einnahme Froomes, eben andere Wege gehen, um ihrem Missfallen Ausdruck zu verleihen! So scheint es mir manchmal.

Dass die Radsport Fans kritisch sind, kann ich gut verstehen. Mir geht es genauso! Dass sich sog. Fans zu üblen und unangemessenen Reaktionen und körperlichen Attacken gegen Sportler hinreißen lassen, haben wir ja nun wie im Fall des Urin-Eklats erlebt.  Es mag sicher etwas konstruiert und hilflos wirken, dass die kritische, latent und offen mistrauische Berichterstattung dazu geführt hätte, dass es zu dem Urin-Becher-Wurf kam – menschlich verständlich ist es aber dennoch. Wer wird gern mit Urin überschüttet?

Von einem Journalisten wird aber sachliche Einordnung der Fakten erwartet und keine sozial-mediale persönliche Diskreditierung.

Auch ich habe Zweifel an der Natürlichkeit der Leistungen von Chris Froome, aber Fakt ist auch, er beteuert immer wieder sauber zu sein, sich seiner Verantwortung um einen dopingfreien Radsport bewusst zu sein.

Und letztlich: ihm ist bislang NICHTS nachgewiesen worden!

Und wer sagt eigentlich, dass die Leistungen der deutschen Sportler, die auch ein Eric Böhm wie exemplarisch im Fall von Emanuel Buchmann als „fantastisch“ abfeiert, tatsächlich sauber zustande gekommen sind?

Auch die beteuern nämlich gebetsmühlenartig, ebenso wie Froome (!), dopingfrei zu sein…

e.

 

Beitragsbild Quelle: Christophe Badoux

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