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#parisattacks und #ARD-bashing

Einige Medienkritiker haben noch in der Nacht der Pariser Terror-Anschläge vom vergangenen Freitag die ARD schwer kritisiert, weil noch während der Übertragung des Länderspiels vermeintlich nicht nachrichten-journalistisch genug reagiert wurde und die Sport-Reporter die undankbare Aufgabe hatten, die dramatischen Entwicklungen in die sportliche Berichterstattung einzubetten.

Kritisiert wurde daher, dass das Nachrichten Team nicht die Berichterstattung übernommen hatte und aus dem Länderspiel ausgestiegen wurde!

Ja, das kann man sicherlich alles so stehen lassen. Kritik muss sein und aus professioneller Sicht mag das auch so sein, dass die ARD keinen perfekten Job mit der Berichterstattung gemacht hat. Die ARD ist ein großer, träger Dampfer..alles ja ausreichend beschrieben.

Andererseits hat z. B. Journalist Udo Stiehl die ARD in Schutz genommen und von Erwartungshaltungen seitens der Zuschauer geschrieben, die oft schwer zu erfüllen seien. Diese Sicht habe auch ich nachvollziehen können:

Mein Tweet (inkl. Link zum Artikel von Udo Stiehl)

Daraufhin hat mir Journalist Ralph Menz seine Sicht in Bezug auf den Stiehl Artikel gesendet und seinerseits die Kritik an der ARD bekräftigt:

Antwort Ralph Menz

Grundsätzlich denke ich aber mal, dass wenn ein Länderspiel in Deutschland stattgefunden hätte, bei dem quasi die halbe Sport Redaktion + Online und Radio Medien + Technik und Crew involviert und der Fokus auf Sport Berichterstattung gewesen wäre, es auch vielleicht ne Stunde Vorlauf gebraucht hätte, damit ne News Crew sendefähig vor Ort einen Überblick über den dramatischen und unübersichtlichen Verlauf bekommen hätte.

Aber es war halt in Paris, die Mitarbeiter des ARD Studios waren nicht vor Ort – was nicht zwingend vorzuhalten ist- und um verlässliche valide 1. Hand Infos zu bekommen, hätte man ggfs. unter Lebensgefahr weitreichend abgesperrte Bereiche betreten müssen, da die chaotische Lage unmöglich einschätzbar war. Und Kamera Leute wurden grundsätzlich zurück gewiesen. Handy Videos sind fürs Netz tauglich – fürs TV aber nur Provisorium. Und wird ernsthaft die Handy-Video Tauglichkeit bewertet, wenn es um akute terroristische Bedrohung geht?

Die ARD war nicht perfekt vorbereitet! Aber war es der französische Staat, die Sicherheitsbehörden, der Verfassungsschutz, der Geheimdienst? Nicht mal 1 Jahr nach Charlie Hebdo ist in Paris immer noch grundsätzliche Terror Alarm Bereitschaft mit Militär und Polizei die öffentlich präsent ist. Muss man dann den Vorwurf des „nicht vorbereitet sein/gar ein Versagen“ nicht dort auch anbringen? Wer will da den ersten Stein werfen? Auch dort passieren Fehler, nicht nur weil Menschen Fehler/Fehleinschätzungen begehen, sondern weil schlicht und ergreifend die Risikokominimierung NIEMALS auf ‚NULL‘ zurückzuführen ist.

Der Journalismus ist im Jahr 2015 informationstechnisch weiter, als es die ARD vielleicht vermittelt hat. Gerade online ist vieles permanent und schnell „sendebereit“ – aber eben auch hektischer, nervöser, dramatisierender, banalisierender, Klick und Traffic getriebener… gern auch via Live Ticker in Endlosschleife mit marginalen Neuigkeitswert pro Update. Auf Twitter ist dementsprechend auch alles vielstimmiger und unübersichtlicher zu sondieren und zu prüfen. Speziell auch als seriöse NachrichtenRedaktion. Wir werden ja schon unruhig wenn 20 min nach Tatort oder Event Show noch kein seelenlos zusammengeklöppeltes Resumee auf dem Online Medium abrufbar ist, wo man sich fragt ob der Verfasser tatsächlich zugeschaut, oder stereotyp Stichworte notiert hat. Wer zuerst postet, mahlt zuerst. Nachdenken? Reflektieren? Viel zu analog!

Unter diesen Gesichtspunkten kann man der „Performance“ der ARD, an der auch ich oft und „gern“ herum kritisiere, keine Best-Noten geben. Aber angesichts der dramtischen und unvorhersehbaren Verhältnisse Medienkritik? Da fühlte ich mich an manchen Tweet von Journalisten erinnert, die in Zeiten anhaltender Medienschelte, Vertrauensverlust und Lügenpresse-Vorwürfen zu Notwehr Argumenten greifen, indem sie betonen müssen:

WIR JOURNALISTEN SIND AUCH NUR MENSCHEN!

Ich jedenfalls fühlte mich in diesem Fall nicht unterinformiert, da ich alternative Quellen und deswegen auch keine Mangelerscheinungen in Bezug auf den ‚BodyCount‘ hatte.

Und seien wir mal ehrlich, war das nicht die gute Nachricht, dass „unperfekte“ Menschen handeln mussten und nicht etwa eines dieser neuen journalistischen Hilfsmittel wie Text Roboter in der Nachtschicht auf Focus Online?

e.

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