Soundcheck (Vol. 23)

1. Von der englischen Alternative Rock Band Bush gibt es am 21.10.2014 ein neues Album, das „Man on the Run“ heißen wird. An und für sich jetzt keine „große“ Nachricht, denn schließlich sind mit dem abebben der Grunge Phase, in der Sänger Gavin Rossdale und seine Mannen ihre Erfolge, besonders in Amerika feierten, auch bis auf das Album „Science of Things“ keine wirklich nennenswerten Beiträge mehr gekommen. Zwischendurch gab es eine Bandauflösung, Schauspiel-Ausflüge, Soloprojekte, garniert mit bunten News als Teil einer schillernden Promi Ehe mit „No Doubt“ Frontfrau Gwen Stefani. Bis dann 2008 eine Reunion folgte, die dann aber nur noch aus 50% der Originalbesetzung bestand. „Seas of Memories“ hieß dann 2011 das „Comeback“ Album, das sicher auch aus nostalgischen Gründen halbwegs erfolgreich war. Nun folgt Album Nr. 6, für das Rossdale über die bekannte amerikanische „Crowdfunding-Plattform“ Pledgemusic seine Fans aufgerufen hat, an der Finanzierung teilzuhaben. Das klingt erst mal modern und birgt eine gewisse Fanbindung. Allerdings fand ich den Weg, Band-Utensilien quasi ersteigern zu lassen als zwiespältig. Abgesehen von Gitarren und anderen Instrumenten, gab es eben auch die Möglichkeit Original handgeschriebene Lyrics von Songs aus den 90ern zu erwerben: für schlappe 2.000 $! So wirkte das ganze Projekt dann auf mich eher wie ein „Luxus-Flohmarkt“. Bezeichnenderweise heißt dann die erste Vorab-Single auch noch ‚The only way out‘ und wäre ich ein Bush-Fan der ersten Stunde, würde ich fast sagen, so klingt der Song auch!

2. Eine Band aus Kalifornien habe ich vor ein paar Wochen mal wieder bei einem „Spaziergang“ auf Soundcloud entdeckt. Sie hören auf den subtilen Namen „Bonnie & The Bang Bang“ und dieser soll laut Sänger Patrick James Stiles auch musikalisches Programm sein. Angesiedelt zwischen Alternative Rock, post-hardcore und folkigen Klängen finden sich immer wieder echte Klangperlen wie das wunderbare ‚You are rebellious and ungrateful of my heart‘, dass speziell für einen Sampler ihres Labels Randm Records produziert wurde. Mittlerweile ist aber auch ein eigenes Album in Arbeit, das „Distance“ heißen soll und auf dem wird sicher auch der jetzige Song zu finden sein. Wenn man sich mal ein bisschen durch die Songs der Band hört, fällt durchaus eine stimmliche Nähe des Sängers Patrick zu ex-Oasis Boss Noel Gallagher auf. Ansatzweise ist das auch bei ‚Every new Love‘ so.

3. Seit Monaten geisterten Gerüchte um ein Neben-Projekt von Dallas Green, alias „City & Colour“ im Netz herum. Aber da der gute Mann ja mittlerweile aufgrund seiner ausgiebigen Tour Aktivitäten fast nur noch aus dem Koffer zu leben scheint und sein 2013er Erfolgs Album „The Hurry and the Harm“ weltweit live spielt musste man ja bis vor einigen Wochen Geduld haben. Denn nun ist ja die Katze aus dem Sack und es gibt bereits 3 Singles aus dem Projekt „YOU + ME“, das er zusammen mit Pink produziert hat. Ja mit DER „P!nk“ und mein erster Gedanke, als ich die Songs hörte war „Pink macht jetzt sogar Musik“. Klar, ist n bisschen Ironie im Spiel, aber wer Pink mit groß Inszenierten Live Auftritten und dick aufgetragenen Dance Pop/Rock Songs in Erinnerung hat, der wird hier eine andere Seite erleben. Klar, von Dallas Green kennt man reduzierte folkrockige Stücke, aber das Album „Rose Ave“, dass am 14.10. erscheint, weckt Kauflust, denn Songs wie der Titeltrack ‚You and Me‘ zeigen, dass diese Zusammenarbeit absolut passt und sich die Stimmen wunderbar ergänzen.

4. Ein zumindest für mich neues Gesicht gibt es mit Hannah Schneider. Die dem Namen nach deutsch klingt, aber aus Dänemark stammt und über ihre Großeltern auch russische Wurzeln hat. Ihr Großvater war als Violinist Mitglied eines angesehenen klassischen Musik Ensembles und auch ihre Mutter spielt dieses Instrument. Daher waren ihre Wege sozusagen auch vorgezeichnet, bis zu dem Moment, wo sie aus den klassischen Familien Spuren ausbrach, um sich mehr der Popkultur zu widmen. Ende Oktober erscheint dann mit „Red Line“ bereits ihr 3. Album und es könnte sein, dass dieses eine rote Linie überschreitet: nämlich in Richtung Erfolg! ‚Butterfly Lovers‘ klingt nach elektro-poppigen Ohrwurm mit markantem Gesangs-Arrangement.

5. Anfang des Jahres war Monica Birkenes in aller Munde, als sie als „Mr. Little Jeans eine Arcade Fire Interpretation des Songs ‚The Suburbs‘ veröffentlichte und im Netz damit aufhorchen ließ. Der Nachfolger hieß dann ‚Good Mistake‘ und der war dann auch nicht mehr nur noch im Netz zu halten, sondern schoss ohne Umwege direkt in die Clubs und in die Charts. Auch das dazugehörige Album PocketKnife überzeugte nicht nur mich mit cleveren Dance-Pop Tracks und augenzwinkernden Texten! Auf dem besagten Album war dann auch der Song ‚Mercy‘, der im Original verspielt elektro-rockig daher kam, aber hier nun quasi als Down mix ganz reduziert mit Streichern als Gitarren Ersatz den Song antreibt. „Orchestral Remix“ heißt das dann sinnig. Kann man so machen!

6. Ich muss gestehen, ich war total überrascht, als mich vor gut 2 Wochen die News erreichte, dass ein gewisser Bryan Ferry noch im November ein neues Album mit neuer Musik veröffentlicht. Gestehen deswegen, weil ich als eingefleischter Roxy Music und BF Anhänger keine Ahnung hatte dass er überhaupt in diese Richtung plant. Ok sein letztes Studio Album „Olympia“, das trotz großem personellen und musikalischen Aufwand, deutlich hinter den kommerziellen Erwartungen zurück blieb, ist schon 4 Jahre her. Danach aber kam 2012 mit „The Jazz Age“ ein weiterer Ausflug in die Welt der 20er und 30 Jahre mit entsprechenden (Instrumental-) Interpretationen seiner eigenen Songs, die er aktuell immer noch Live auf der Bühne präsentiert. Von daher hab ich natürlich nicht dran gedacht, dass es so schnell neues Material gibt! Aber sei´s drum; nun kommt am 17.11. das Album „Avonmore“ und natürlich drängen sich Bezüge zum letzten Roxy Musik Album „Avalon“ auf. Aber diese querverweise werden ja eh immer gezogen, wenn er mit Roxy Musik Bandkollegen im Studio ist, um Solo Material zu produzieren. Musikalisch bewegt sich der Single Vorbote ‚Loop de Li‘ mit seiner „unterkühlten Lässigkeit“ allerdings für meinen Geschmack eher an „Bête Noire“ Solo Phasen…und das waren ja nicht die schlechtesten!

7. Wer bekannte Eltern hat, trägt, neben der zuweilen durchaus hilfreichen Aufmerksamkeit, eine nicht unbedeutende Last: den ständigen Vergleich! Und um dem aus dem Wege zu gehen hat sich das musikalische Multitalent Eliot Sumner zu Beginn ihrer Karriere dann das Pseudonym „I blame Coco“ gegeben und sich mit cleveren Indie Pop Songs und dem 2010er Album „The Constant“ etwas Gehör und Wohlwollen von Fans und Kritikern verschafft. Kommerzielle Erwartungen seitens der Plattenfirma konnten allerdings damit nicht erfüllt werden. Nächstes Jahr kommt dann endlich ein neues 2. Album raus und nach mehreren Jahren Arbeit in Eigenregie und unter ihrem bürgerlichen Namen hat Eliot vorab erst mal eine EP namens „Information“ veröffentlicht auf dem 3 Songs enthalten sind. Einer dieser Songs heißt ‚Wobbler‘ und ist deswegen bemerkenswert, weil sie dort nicht nur Bass wie ihr Vater spielt, sondern auch noch wie nie stimmlich und thematisch nach Sting klingt, der sich ja derzeit mit seinem Musical „The Last Ship“ mit den Erfahrungen seiner Kindheit und Seemannsgeschichten befasst!

8. Der kanadische Singer/Songwriter Sebell ist ein Künstler, über den ich vor einigen Monaten quasi gestolpert bin. Er hat aktuell nur eine Handvoll Songs produziert und bis auf eine EP, die angeblich noch im Oktober erscheinen soll auch noch kein Album. Die Songs die es bislang gibt hören sich aber -wie so oft bei Indie Musikern- recht vielversprechend an. Einige davon sind eher beim Ambient und Downbeat Pop angesiedelt; überzeugen aber vor allem durch seine von beseeltem R´n´B getragenen Stimme. Besonders auf der neuen Single ‚See through Heart‘ drückt sich der ganze „falsettige“ Herzschmerz aus. Große Ballade!

9. Ein kleines Mysterium für mich ist die Tatsache, dass die englische Band Wolf Gang immer noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat und nach wie vor ein „Geheimtipp“ sind. Gerade auch wenn man bedenkt, dass die Band in den letzten Jahren auf nahezu jedem wichtigen internationalen Festival aufgetreten sind und bereits Tourneen mit Coldplay, The Killers, Editors, oder Keane als Vorband absolviert haben! 2011 sind sie mir aufgefallen mit dem ohrwurmigen Song ‚The King and all of his Men‘ und dem großartigen dazugehörenden Debüt Album „Suego Faults“, das nur so voller Klasse Pop Musik strotzt. Etwas irritierend ist die Nachricht dass ein neues Album in Arbeit ist oder bereits irgendwo herum schwirrt. Alles was ich weiß ist, dass es dieses Jahr eine EP namens „The Black River“ gab und einen neuen Track ‚Lay Your Love down‘, der aber kein Bestandteil der EP ist. Dass sie nix verlernt haben, ist trotz der Verwirrung aber offensichtlich!

10. Ein 2.Album haben Cloud Boat aber sehr wohl 2014 veröffentlicht. Und was für eins! Für mich ist „Model of You“ jetzt schon DAS Album Highlight des Jahres. Diese Woche ist dann auch die ausgedehnte Europa Tour gestartet, die das Duo auch für mehrere Termine nach Deutschland und eben auch nach Hamburg führt, was mich besonders freut…der kurzen Wege wegen! Quasi als Tour Auftakt Geschenk haben sie mit ‚Pathways‘ eine gratis B-Seite (die im Cloud Boat Sprachgebrauch „AA“ Seite heißt) veröffentlicht. B-Seite deshalb, weil Ende des Monats die eigentliche, neue Single ‚Aurelia‘ erscheinen soll, auf der der Song auch drauf sein wird. ‚Pathways‘ jedenfalls ist ein unveröffentlichtes Album Outtake, das einerseits mit seinem konsequenteren DubStep Einfluss, aber mit der melancholischen Tiefe andererseits ein Bindeglied zum Vorgänger „Book of Hours“ darstellt. Dass der Song dann nicht mehr ins neue Album Konzept gepasst hat, liegt allerdings nicht daran, dass er nicht hörbar wäre…ganz im Gegenteil. Der Reiz daran liegt ja im Kontrast: den „nervösen“ Beat Mustern und der getragenen Gesangsharmonie, die dagegen schiebt und sich gleichzeitig tragen lässt! Andere Künstler wären dankbar, so ein wunderbares Stück Musik auf ihrem Album zu haben!

twitter: bush // eliot sumner // bryan ferry // bonnie & the bang bang // sebell // cloud boat // mr. little jeans // hanna schneider // wolf gang // you + me // kennzeichen e

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