Soundcheck (Vol. 26)

1 . Dafür dass die EP „A short Story for the Road“ kein reguläres Album ist, arbeiten sich die Hamburger Indie Pop Jungs von „Wilhelm Tell Me“ ganz ordentlich daran ab. Das ist natürlich rein positiv gemeint und bezieht sich auf die Anzahl der „Singles“ die mittlerweile im Umlauf sind. Schließlich ist ‚Crashing Planes‘ ja nunmehr Auskopplung Nr. 4. Und anders als die meist tanzbaren Vorgänger ist der Song elegisch, hymnisch, baut gekonnt eine reduziert instrumentierte Spannung auf. Eigentlich kein Song für den kommenden Frühling und natürlich wird ihm durch die schrecklichen Ereignisse des Flugzeugabsturzes in Frankreich eine gewisse tragische Aktualität zuteil, aber dass der Song dem Anlass entsprechend „unpassend“ wäre, kann man nun absolut nicht sagen!

2. Kintsugi wird das neue Album von Death Cab for Cutie heißen. Der Titel soll eine japanische Bezeichnung für eine Kunst des Reparierens sein. Tja reparieren war dann wohl für Sänger Ben Gibbard auch das Stichwort, meinte er dann regelrecht entschuldigend, dass das neue Album eine Art Wiedergutmachung für enttäuschte Fans nach dem letzten Album „Codes & Keys“ sein sollte. Zurück zum DCfC Sound ist also hier die Devise. Ist ja auch oft der Fluch der (notwendigen) Künstlerischen Veränderung, die den unangenehmen Nebeneffekt hat, dass Fans das nicht immer tolerieren. Aber in dem Fall wiegt sicher ein anderer Fakt sehr viel schwerer: Nämlich die Tatsache, dass Band Gründer, Gitarrist und Songwriter Chris Walla nach Ende der Album Produktion seinen (freundschaftlichen) Ausstieg bekannt gegeben hat. Auch nicht besonders freudige News für die Fans. Aber Trost ist ja dass er zumindest auf Kintsugi, das nächste Woche erscheint, zu hören. Und mal im Ernst, so richtig verstanden hab ich die Kritik am Sound der Band nie verstanden. Aber wenn ‚Black Sun‘ die sensiblen Gemüter beruhigt, soll mir das auch recht sein!

3. Viele werden jetzt sagen, wenn ein Sänger vom „mächtigen Ich“ reden kann, dann Noel Gallagher. Ist er doch während der 90er Brit Pop Welle zusammen mit Bruder Liam als schlagkräftiger Maulheld und gern mal mit übersteigertem Ego aufgefallen, der auch mal gegen Kollegen ausgeteilt hat. So geschehen kürzlich, als er von einem deutschen Journalisten Team mit den betörenden Klängen von Helene Fischer Songs konfrontiert wurde und sich der Herr nicht lange bitten ließ, um in bekannter Manier derbe gegen das deutsche „Schlager Schnuckelchen“ bzw. ihre Musik auszuteilen. Nun ja, viel interessanter ist dann aber doch was er auf seinem 2. Solo Album „Chasing Yesterday“ zu Wege gebracht hat. Und auch wenn seine Kritiker hier wieder das eindimensionale Mantra vom „Beatles Kopierer“ bemühen wenn sie tiefenpsychologisch zwischen die Zeilen des Albumtitels horchen. Fakt ist aber, dass Noel mit seinen High Flying Birds und dem aktuellen Track ‚Ballad of the mighty I‘ wieder ein erstaunliches Songwriting potential beweist, dem man sich dem Mitwippen nur schwer entziehen kann. Auch wenn ich hier mangels Alternative „nur“ eine Remix Version rausgesucht habe.

4. Eigentlich ist mir der New Yorker Joseph Arthur als wunderbarer folk-rockiger Singer-Songwriter bekannt, der auch eine ausgeprägte Leidenschaft und ein Talent für abstrakte Malerei im Stile Picassos oder surreal teilweise leicht „irritierende“ Daliesque Gemälde anfertigt und diese auch schon in Kunst Ausstellungen präsentiert hat. Sein neuster „Geniestreich“ um im Bild zu bleiben ist nicht nur musikalisch atypisch, weil er mit Loops und Samples arbeitet und verzerrt singt, sondern bezieht sich hier auch auf die Kunst allgemein, indem er quasi eine Lobrede auf das Künstlersein hält. Wobei „REDE“ ja etwas irreführend gesagt wäre, er rappt sich vorsichtig durch die Musikszene und landet dann bei Musikern wie Beck und Beyoncé. Als Krönung „adelt“ er dann auch noch Kanye West, indem er den Track ‚Hey Kanye‘ nennt. Und am Ende pendelt sich der Song irgendwo zwischen Ode an die Kunst und „Diss-Track“ ein. Aber das liegt ja wie gehabt im Auge des Betrachters!

5. Erfreut war ich als mir die kanadische Indie/Alternative Band mit dem logischen Namen Seoul die Nachricht überlieferte, dass nicht nur ein neuer Song, sondern das seit einer gefühlten Ewigkeit in Arbeit befindliche Album „I become a Shade“ nun endlich kurz vor der Veröffentlichung steht. Am 9. Juni soll es soweit sein und der Track ‚The Line‘ lässt auf entspannte elektroakustische Klänge in bester europäischer Indie Pop Tradition schließen.

6. Und was sich schwer nach 70er Jahre Punk-Rock Revival im Stile von The Clash anhört ist die 2015 Ausgabe der Alternative Band The Dandy Warhols aus Portland. Die haben einen neuen Song veröffentlich der den „kurzen, knackigen“ Titel trägt ‚Chauncey P vs All The Girls In London‘ und spätestens jetzt ahnt man die Verbindung zwischen Titel und britischen Sound Anleihen. Wo der Song beheimatet ist, bzw. ob da auch ein neues Album als Nachfolger vom 2012 Werk „This Machine“ kann ich aktuell noch nicht sagen. Bleibe da aber am Ball…natürlich auch aus Eigennutz!

7. Nicht weniger erwartungsfreudig bin ich auch auf den Juni, in dem auch noch ein weiteres Album erscheint. In dem Fall von Florence + the Machine. Einen Namen gibt es auch schon, nämlich „How Big, How Blue, How Beautiful“ wird es heißen. Was natürlich Raum für Interpretationen lässt, besonders wenn wie hier der ungewohnt Gitarren-lastig, rockige Track ‚What kind of Man‘ heißt. Ansonsten ist alles auf den ersten Blick gewohnt groß und schön…und was daran blau macht, werde ich dann ja auch noch rausfinden, wenn das Album draußen ist.

8. Gewohnt laut und melodisch hard-rockig geht es auch auf dem nunmehr 3. Album „Ones and Zeros“ der englischen Alternative Rocker Young Guns zu. Galten sie doch 2010 noch als vielversprechende Nachwuchs Rock Band, haben sich die Euphorie wogen dann doch mittlerweile wieder etwas geglättet auch wenn sie aktuell eine ausgedehnte Tour durch England in die großen Hallen starten. Und ein bisschen bekommt man beim 2. Album Vorboten ‚Rising up‚ ein wenig den Eindruck als würden sie sich vom Sound her ein bisschen am Bombast der aktuellen englischen Rock Darlingen von Royal Blood orientieren. Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel und der Fan das dem Titel gemäß ganz binär mit Einsen versieht oder als Null abtut, bleibt eh abzuwarten.

9. 2012 hat die kalifornische Indie/Elektro Band of Verona, die im Wesentlichen aus Sängerin Mandi Perkins und Dillon Pace, der sich um die Produktion kümmert, ihr Album „The white Apple“ rausgebracht, dessen Songs sich bei Fans und vor allem bei TV Serien großer Beliebtheit erfreute. Leichte, eingängige Pop Songs. Ein absoluter Fan Favorit allerdings war das episch-düstere ‚Dark in my Imagination‘ für das sich die Band dann ganz „spontan“ 2014 (2 Jahre später!) entschloss auch mal ein Video zu produzieren. Dagegen als rasant kann man dagegen sagen, dass jetzt gerade ein brandneuer Song mit dem Titel ‚Stay Gold‘ erschienen ist. Der ist aber wieder leicht und eingängig poppig. Heißt also kein Video, dafür TV Serien Einsätze? Album ist in Arbeit aber noch ohne Temin!

10. Noch „glühend“ warm ist der finale Track ‚Ember‘ vom dänischen Indie Pop Trio und selbst ernannten „Besten Band der Welt“ WhoMadeWho um Frontmann Bon Homme. Warm deswegen, weil er erst am gestrigen Donnerstag erschienen ist und es nicht nur deswegen folgerichtig gerade noch in den Soundcheck geschafft hat. Verspielt melodische Synthie Klangteppiche wechseln sich hier mit treibenden Gitarren Riff ab und verbinden sich zu einer cleveren Dance Pop Einheit. Im Mai wird es dann die gleichnamige „Ember EP“ geben. Und weil es heute ja im Soundcheck etwas besinnlicher anfing muss ja logischerweise ein positiver, Gute-Laune Kontrapunkt am Ende folgen. Auftrag erfüllt!

e.

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