Soundcheck (Vol. 29)

1. Die US amerikanische Indie und Folk Pop Band Family of the Year gibt es seit 2009 und mit ihrem 2. Album „Loma Vista“ aus dem Jahr 2012 haben sie sich nicht nur in Amerika eine große Fangemeinde in der Neo Folk Rock Szene gemacht und werden dort im Fahrwasser von Weggefährten wie Mumford & Sons genannt. Aber damals haben sie auch hierzulande aufhorchen lassen mit dem Song „Hero“. Eine musizierende Großfamilie im Sinne des irischen Folk Clans Clannad oder neuzeitlicher Rock Bands wie die Kings of Leon, ist das Family of the Year Quartett allerdings nicht. Auch wenn der Name es vermuten lässt, nur Sänger Joseph und Drummer Sebastian sind tatsächlich Brüder. Auf jeden Fall gibt es nun seit Juni 2015 musikalischen Nachwuchs und zwar in der Sommerhit verdächtigen, Festival tauglichen Hymne ‚Make you Mine‘. Über ein neues Album wird derzeit spekuliert und Anfang September erwartet.

2. Das britische House Duo Dirty Vegas besteht aus Sänger Steve Smith und „Klangwerker“ Paul Harris. International bekannt geworden sind sie schon 2003 mit einem Titel für eine Autowerbung. Das dazugehörige selbstbetitelte Album hatte es damals sogar in die Top 10 der offiziellen US Album Charts geschafft, was ein Indiz für ihren massentauglichen Sound darstellt. Danach haben sich auch einen Namen als Remixer für namhafte Musiker gemacht und hier in Deutschland haben sie 2014 in 2facher Hinsicht wieder für große Aufmerksamkeit gesorgt: Einerseits, weil sie wiederum durch einen Werbesong für eine Bierwerbung „auffällig“ wurden und dann auch noch einen Club Dance Hit mit ihrer Version des Duran Duran Klassikers „Save a Prayer“ hatten. Aktuell fragen sie ihre Fans nach ihrem Befinden mit der Single ‚What do you feel‘. Und damit man eine echte Auswahl treffen kann, haben sie 2 Versionen bereitgestellt. Ich hab mich für den sog. „Zwette Remix“ entschieden und damit geht´s mir eigentlich ganz gut!

3. Auch von den britischen Art / Britannica Rockern Editors gibt es nun schon den 2. Vorboten für ein mögliches neues Album. Nachdem sie den exklusiven „Düster-“ Track „No Harm“ aus dem Archiv ausgegraben hatten folgt nun mit den ‚Marching Orders‘ wieder klassisch pathos-geladener Hymnen Rock. Ich weiß, der Vergleich mag nach wie vor hinken, aber wenn ich an Musiker Kollegen Bands wie Muse und Arctic Monkeys denke, die ähnlich „große“ Indie Rock Arrangements produzieren, fehlt mir bei den Editors doch etwas „das Augenzwinkern“, oder die letzte Konsequenz, wohin die Reise gehen soll.

4. Wohin der Weg musikalisch führen soll, wissen die britischen POP Ikonen von Duran Duran erfahrungsgemäß sehr genau. Das war in der Vergangenheit nicht immer mit kommerziellen Erfolg veredelt worden, aber künstlerisch kann die Band nach weit über 30 Jahren im Geschäft auf ein breites Fundament verweisen. Und die Tatsache, dass ein Großteil der englischen und auch amerikanischen Indie Szene quasi auf das Vermächtnis der 80er Jahre und maßgeblich Duran Duran verweist, macht sie natürlich auch 2015 noch relevant. Und viel mehr noch, mit dem aktuellen Vorboten auf das im September erscheinende neue Album mit dem Titel „Paper Gods“‘ zeigen DD ihren jungen Thronrüttlern, wie man Pop auch heute noch elegant und zeitlos produziert. Und mit der Hilfe von Funk und Disco Legende Nile Rodgers und Retro Papst Mark Ronson vermischen sie mit ‚Pressure Off‘ gekonnt Stil Elemente aus ihrer großen Ära: nämlich Funk und Pop.

5. Dass Kafka Tamura nach wie vor den Status „Newcomer“ haben, ist einerseits schmeichelhaft, andererseits besagt es, dass das deutsch-englische Indie Trio bestehend aus der 18-jährigen Emma Dawkins, Gabriel Häuser und Patrick Bongers nach wie vor etwas unter´ m Musik Radar durchfliegt. Tatsächlich sind die 3 aber schon ein paar Jahre Stammgäste auf den europäischen Festivals. Und nun, mit erstem richtigen Plattendeal in der Tasche haben sie sich 2014 an neue Musik gemacht, Songs der EP Somewhere Else dazu genommen, die ich bereits im Soundcheck (Vol. 8) von 2013 vorgestellt hatte und nun wird es im August ein Debut Album mit dem Titel „Nothing to Everyone“ geben. Und wenn man ‚Bones‘ zugrunde legt, kann man sich auch gut reindenken, dass ihrer unterkühlten Definition von Indie/Alternativ Pop sicherlich nicht dem „Jederman-Geschmack“ entspricht. Wer sich ihre clever arrangierten kleinen elektro-akustischen Soundkreationen anhört, wird aber merken, dass da 3 junge Musiker am Werk sind, die ´ne genaue Vorstellung von dem haben, was sie können und was sie wollen.

6. Ebenfalls im August wird es das neue, 4. Album und damit den Nachfolger vom 2013er Erfolgs-Album von den Alternative Rockern Foals geben, die aktuell mit der gleichnamigen Single ‚What went down‘ einen akustischen Vorgeschmack geben, was den Fan erwarten könnte: laut Sänger und Teilzeit Kollegen-„Disser“ Yannis Philippakis wird es „laut und rockig“ und das erdig-raue kann man beim Hören der Single gut nachempfinden. Dementsprechend wird es dann auch wieder eine Abkehr von elektronischen Spielereien die ja auf „Holy Fire“ internationalen Erfolg brachten. Also scheint die Band sich gedanklich wieder auf Festivals anstatt auf Clubs einzustellen.

7. Wahrscheinlich dieses Jahr wird es noch ein Album vom Indie Rock Quartett Portugal. The Man aus dem Kühlschrank Amerikas, nämlich Alaska geben. Ein genaues Datum und einen Titel des 8. Albums gibt es noch nicht, aber zumindest ein paar Indizien, womit sich die Band musikalisch aktuell beschäftigt. Da wäre zum einen eine Cover Version des Hip Hoppers ILoveMakonnen, dessen 2014er Track ‚Tuesday‘ vom bekannten Kollegen Drake ge-remixt und zu großer Bekanntheit gebracht wurde. Genau dieser Track hat also den „Portugal-Stempel“ bekommen, ohne aber entscheidend „verfremdet“ zu werden. Ein anderes, noch bezeichnenderes Indiz ist die Tatsache, dass sie mit niemand geringeres als „Mike D“ im Studio arbeiten. Dieser ist ja in der Hip Hop / Rap Szene eine Ikone, als Mitglied der legendären New Yorker „Beastie Boys“. Ich bin gespannt wie sich dieser „Stil-Clash“ dann auswirkt.

8. Seit knapp 10 Jahren ist Ivy Levan in Los Angeles unterwegs, um ihre Musik Karriere zu forcieren. Allerdings auf Umwegen. Denn Songs hat sie immer wieder aufgenommen, aber parallel dazu hat sie sich breiter aufgestellt, nachvollziehbar aus extrovertierten, optischen Gründen arbeitet sie als Modell, Werbefigur und auch auf der Leinwand ist sie zu sehen. Aber seit 2 Jahren funktioniert eben auch ihre Musik immer besser, die man eigentlich gar nicht so richtig stilistisch einordnen kann. Da gibt es eine 2013er EP „Introducing the Dame“ und Songs im Urban Soul, Pop, Dance Stil. Auf jeden Fall hat sie 2015 einen guten Lauf. Sie hat eine Single ‚Biscuits‘, die als Vorbote auf ihr im August erscheinendes Debut Album „No Good“ gerade durchs Netz gereicht wird. Eine Song mit Sting im Duett, der ebenfalls auf dem Album sein wird und sie liefert den grandiosen Titelsong auf dem Soundtrack zur aktuellen Kino Agenten Komödie „SPY“. Und dieses ‚Who can you trust‘ im Shirley Bassey James Bond Goldfinger Gedächtnis Arrangement zeigt eine weitere stilistische Facette von „La Dame“: eine ebenfalls wirklich große Stimme!

9. Aus Norwegen stammt das Electro Duo Lemaitre, die aber wie ich finde und das schon öfter angemerkt habe, nicht nur vom Bandnamen her, auch musikalisch ihre Wurzeln in Frankreich haben. Zu sehr gibt es immer wieder Ähnlichkeiten zu Bands wie AIR, oder PHOENIX. Seit 2010 gibt es jedenfalls in schöner Regelmäßigkeit EP´s, von denen sich allein 3 (Relativity 1, 2, 3) im weitesten Sinne mit Physik, bzw. der Relativitätstheorie beschäftigt haben. Eine letzte hieß dann ganz „untypisch“, nämlich Singularity…aber ein weiter Song, der wohl nur produziert werden wollte, ist der aktuelle Song ‚Closer‘, der in Zusammenarbeit mit der Sängerin Jeanny A. entstanden ist, aber der dennoch eher ein nahezu Instrumental Track ist. Entspannt macht den Song, dass die jazzigen Trompeten Strecken, den recht breit ausgelegten Synthesizer Teppich ein bisschen auflockert.

10. Ein wirklich großer Fan der 90er Jahre Brit Pop Phase war ich nie. Den von den Medien hochstilisierten „Duellen“ zwischen Bands wie Oasis und Blur konnte ich kaum etwas abgewinnen. Natürlich habe ich dann später bemerkt wie sich Blur künstlerisch weiterentwickeln wollten, während Oasis langsam aber sicher die Ideen ausgingen. Aber auch für Blur war Anfang der 2000er Jahre Schluss. Bis sie dann 2013 ein Festival in Hong Kong für eine Live Reunion nutzten. Da dieses Festival aber abgesagt wurde und die Band dann dort quasi strandeten, machten sie aus der Not eine Tugend: sie schrieben Songs! 2 Jahre haben sie dann an den Songs, die die Zeit in Hong Kong und chinesische Kultur reflektieren, gebastelt und gefeilt und Ende April 2015 erschien dann das Ergebnis mit dem Album „The Magic Whip“ – 12 Jahre nach ihrem letzten Studio Album. Zugegeben, trotz der Tatsache, dass mir die Veröffentlichung im April schon aufgefallen war, hab ich mich nicht sonderlich dafür interessiert. Aber vor ein paar Wochen hab ich mir das Album dann doch mal vorgenommen und durchaus spannende, interessante stilistische Momente erlebt. Dazu gehört für mich sicher auch der Song ‘Thought I was a Spaceman‘, der auf dem Album selbst mittendrin ist, aber hier in meinem Soundcheck ein würdiges Finale darstellt.

e.

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