Soundcheck (Vol. 30)

  1. Den Briten Paul Timson kenne ich nun seit 2007, oder besser gesagt haben wir seit der damaligen Hochphase von Myspace Kontakt, wo noch kein Facebook Hype hierzulande abzusehen war und Myspace noch als das „next best thing“ in Sachen Musik(-er) und Selbstvermarktung war. Jeder der Social Media erleben wollte, war dort. So auch ich und auch Paul Timson, der damals schon als „Spacehotel“ 80er beeinflussten Synth Pop produzierte. Ein paar Jahre haben wir uns dann aus den Augen verloren, bis vor einiger Zeit sich die Wege dann auf Twitter wieder getroffen haben. Die Social Media Welt ist halt doch kleiner als man es eh schon denkt! Sein aktueller Song ‚ReWind 25‘ ist ein Remaster aus dem Jahr 2008. Und wie man unschwer den Lyrics entnimmt bezieht er sich auf das Jahr 1983, also der Hochphase der Musik, die er 25 Jahre später immer noch hochleben lässt.
  1. Wer den britischen Singer-Songwriter David Rhodes und seine Musik der letzten 2 Jahre verfolgt, der wird eines im Ohr haben: Balladen! Mal Folk-inspiriert, mal mehr Piano-Pop. Und wenn diese dann nicht selten so „herzzerreißend schön“ und verträumt wären, würden böse Zungen gar dazu neigen zu sagen „Balladen Overkill“! Soweit würde ich jetzt natürlich nicht gehen, denn dahinter steckt ja viel Seele und Talent. Und letztlich bin ich ja auch auf sein Debut Album „Wishes“ gespannt, das einige bekannte Songs beinhaltet, aber auch neue. Und ich bin gespannt, inwieweit sich sein musikalisches Spektrum dahingehend erweitert…oder eben nicht. Sein neuer Vorboten-Song heißt ‚Let it all go‘ und ist ein „typischer Rhodes“, allerdings begleitet von der erst 19-jährigen Sängerin Birdy, die selber auch schon sehr erfolgreich ihren folkigen Singer-Songwriter Stil verkörpert.
  1. Joe Mcalinden war in den 90ern mal ein Superstar. Zumindest in Schottland. Und um genau zu sein, hieß auch „nur“ seine Band so. Bekannt war er dennoch sehr.in der Alternative Rock Szene u.a. als musikalischer Wegbereiter für Bands wie Franz Ferdinand. Ihr größter Single Hit damals hieß dann auch noch Superstar und wurde dann auch noch durch Rod Stewart geadelt, der eben genau diesen Song coverte. Heute nennt er sich dann nur noch Linden, macht ruhigere Musik und es gibt ein neues Album mit dem Titel „Rest and be thankful“, bei dem auch Freund und Weggefährte Edwyn Collins im Studio mitgeschraubt hat. Nicht nur deswegen ist es ein tolles Album, auch wegen Songs wie ‚Lost and Found
  1. Die britische Electro-Pop Band Chvrches melden sich im September mit ihrem 2. Studio Album zurück. Der oft schwierige Nachfolger ihres Debut Albums, das sie europaweit zu einem vielbeachteten Nachwuchs Act machte und deren Songs reihenweise für Film, TV und Videospiele verwendet wurden. Das neue Album wird „Every Open Eye“ heißen und Ende September erscheinen. Als Vorboten und musikalisches Erkennungsmerkmal haben sie die Single ‚Leave a Trace‘ ins Rennen geschickt. Und man kann durchaus sagen, dass der Name Programm ist…oder vielmehr; kein Grund dass der neue Sound keine Spuren hinterlassen sollte.
  1. Etwas Sinn-frei empfinde ich das musikalische Treiben von Eliot Sumner derzeit. Denn 2014 hat sie sich ja nach kreativer Pause und nun unter ihrem bürgerlichen Namen (anstatt I Blame Coco) zurück gemeldet und eine erste EP mit dem Namen „Information“ raus gebracht. So weit, so gut! Nun erleben wir sie weiterhin kreativ und fleißig, begleitet sogar Lykke Li im Vorprogramm. Nur ich frage mich warum es nun den 3. Song gibt den sie nach der letztjährigen EP hinterher geschoben hat? Folgt nun eine weitere EP? Warum mündet das nicht in ein komplettes Album, wenn sie innerhalb von 1 Jahr 7 (!) Songs nacheinander veröffentlicht? Steckt da eine alternative Release Strategie dahinter? Aber letztlich soll es ja nur die Verwunderung darüber ausdrücken, denn die Songs sind ja allesamt hörbar und haben allemal hier ihren Platz verdient. So auch das neue ‚Firewood‘, das einmal mehr ein Schritt zurück in alte Electro-Pop Gefilde ist, außer der hörbaren Tatsache, dass ihre Stimme im Vergleich zur I Blame Coco Zeit deutlich tiefer klingt.
  1. Die kanadische Alternative Electro Band Crystal Castles waren sicher nie so im Gespräch wie in den letzten Monaten. Natürlich waren sie in der Szene und darüber hinaus bekannt und berühmt, auch Aufgrund ihres regen Tourens. Aber Ende 2014 kündigte Sängerin Alice Glass dann etwas branchenkryptisch an, die Band zu verlassen, neue musik-kreative Wege zu gehen und dass das Kapitel Crystal Castles damit zu Ende sei. So weit, so üblich. Wenn da nicht ein paar Monate später ihr ex-Kollege und musikalisches Mastermind Ethan Kath nicht nur eine neue Single rausbrachte, sondern auch ein neues Album unter dem alten Bandnamen in Arbeit sei…gerüchtweise soll sogar auch eine neue Sängerin schon vorhanden sein. Und Kath ging noch weiter und deutete öffentlich an, dass der kreative Beitrag von Alice Glass an der Musik marginal bis nicht vorhanden war. Das ließ sie sich natürlich nicht 2-mal sagen und konterte damit dass sie sehr wohl in alle kreativen Prozesse involviert war. Ganz erschütternd wurde es dann als sie dann freimütig erzählte, dass sie in der Vergangenheit in eine „ungesunde Beziehung“ verwickelt war, bei der sie unterdrückt und zumindest „psychisch missbraucht“ wurde. Nun denn, musikalisch hat sie auch nachgelegt und ‚Stillbirth‘ kann man getrost als düsterer wütenden Furor und Abgesang an die vergangene Zeit im Electro-Hardcore Lo-Fi Gewand betrachten…puh!
  1. Nach dem für die Band unüblichen Album Doppelschlag, den 2012 / 2013er Werken „Valtari“ und „Kveikur“ hat Sänger Jónsi 2014 gleich nochmal nachgelegt. Für den preisgekrönten Fantasy Animationsfilm „How to train your Dragon 2“ steuerte er 2 Songs, u.a. das wunderbare ‚Where noone goes‘ bei. Und damit die anderen beiden Kollegen der isländischen Post-Rock Ikone Sigur Rós, nämlich Georg Holm und Orri Páll Dýrason, sich nicht nachsagen lassen müssen, dass sie untätig und faul wären, kommt nun in diesem Monat das Album „Circe“ raus, bei dem sie mit 2 weiteren Kollegen für die BBC Dokumentation „The Show of the Shows“ Songs komponiert haben. Also quasi ein Soundtrack! Damit es nicht zu sehr aus dem Fan Fokus rückt, wird das Album dann auch gleich via Sigur Ros Webseite vertrieben, aber damit keine irritierenden Querverweise gezogen können, ist das Album „vorsichtshalber“ komplett Instrumental und ohne die markante Stimme von Jonsi. Und das funktioniert dann auch so gut, dass ‚Lila‘ eine locker treibende Electro Spannung erzeugt.
  1. Allie heißt ein „neuer“ Künstler. Wobei neu in dem Sinne gemeint ist, dass der Berliner Sänger Florian Boss, wie er bürgerlich heißt einfach nur neu auf meiner musikalischen Landkarte erschienen ist. Denn mit seinem aktuellen selbstbetitelten Werk „Allie“ steht nun schon Album Nr. 4 im Plattenschrank, sofern man ihn schon länger als ich begleitet. Jedenfalls kam Florian auf mich zu und empfahl mir seine CD und natürlich hab ich mal reingehört. „Sperrig und ungewohnt“ war das, was mir zuerst entgegen „waberte“. Und wabern trifft es hier auch ganz gut. Nach einem Aufenthalt in den USA inklusive musikalischer und cineastischer Erfahrungswerte kam auch der „Stimmwandel“, der irgendwo zwischen gehaucht, flüsternd liegt und sich stellenweise bis hin zu falsettigen Höhen hinaufschwingt, dass man denken könnte, man hört den oben erwähnten Jonsi von Sigur Ros, nur dass es nicht so post-rockig klingt. Neben einem Rapper sind dann auf dem elektronischen, Ambient orientierten Soundteppich auch noch Opernstimme und Piano zu hören. Allie ist auf mehreren Ebenen ein durchaus forderndes Album, das sicherlich in der großen oft diffusen Rubrik POP seine Berechtigung hat. Anders als bei diesem Album findet man aber eben hierzulande nur wenig „Eigenes“, das nicht anbiedernd, oder wie schon mal woanders gehört klingt und nicht einem sich schnell überlebenden musikalischen Zeitgeist folgt. Dennoch: Man steht vor der Entscheidung, leg ich das Album wieder auf den Stapel „nett, aber zu ambitioniert“, oder nehme ich es mir nochmal in Ruhe vor. Ich hab mich für Letzteres entschieden…und auch deswegen ist ‚Mamase‘ hier!
  1. Erinnert sich noch jemand an den ESC 2013 und der 2.platzierten Norwegischen Pop Sängerin Margaret Berger? Sicher nicht so viele. Möglicherweise liegt das ja daran dass es komischerweise im Anschluss an das erfolgreiche Abschneiden beim ESC und der Aufmerksamkeit, die ihr in Europa zuteilwurde immer noch kein Album nachgeschoben wurde. Ok, es gab 3 weitere lose Singles die in loser Abfolge produziert und veröffentlicht wurden. Nur die letzte Aussage zum Thema Album war, dass „New Religion“ Anfang 2014 erscheinen soll. Nun ja…der Rest ist Geschichte. Fast, denn seit einer Woche gibt es ein Lebenszeichen. Nicht als Solo-, sondern als Gast Sängerin des Norwegischen Dance Pop Duos „F.A.C.E.“. Zusammen haben sie die sommerliche Pop Nummer ‚Diamonds‘ aufgenommen, die sicher nicht nur in Norwegen gut funktionieren wird. Und zumindest ist es ein Funke Hoffnung auf ein Album.
  1. Ganz sicher wird es ein Album von Dallas Green aka City and Colour geben und ein Datum steht dafür auch schon im Notizbuch: „If I should go before you“ wird Anfang Oktober erscheinen. Nach dem 2013er Werk „The Hurry and the Harm“, das er quasi bis heute weltweit „ab-tourt“, folgt nun ein Nachfolger, der untypischerweise mit einem 9:16 min (!) langen epischen, elegischen Opener beginnt. Der melodramatische Ambient-Rock Titelsong ‚Woman‘ ist einerseits die erste Single Auskopplung des neuen Albums, nach dem 2014 Single Release ‚Nowhere, Texas‘, der noch aus den Aufnahme Pool von „The Hurry and the Harm“ stammte, allerdings schon der 2. Song, den Dallas Green konkret dem Thema Frauen widmet. Während ‚Nowhere, Texas‘ Frauenrechte und Gewalt gegen Frauen behandelt, ist ‚Woman‘ persönlicher, von Konflikten geprägt, aber letztlich auch eine Art der Verehrung. Daher kann man ein wenig verstehen, warum der Track so „düster“ geworden ist. Aufgrund des Sounds und vor allem der Länge, kann der Song hier aber nur als klassisches Soundcheck-Finale durchgehen. Aber durchaus ein gelungenes und würdiges Finale!

Twitter: linden // chvrches // city and colour // Margaret berger // sigur ros // alice glass // eliot sumner // Spacehotel // rhodes // kennzeichen e

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