Soundcheck (Vol. 31)

1. Fast heimlich, still und leise hat sich das 3. Solo Album vom Matchbox Twenty Sänger Rob Thomas an mir vorbei geschlichen. Zumindest hab ich es nur durch Zufall bemerkt. Aber wenn er es schon „The Great Unknown“ nennt ist es vielleicht auch kein Wunder, dass auch die erste Single daraus ‚Trust You‘ zumindest in Deutschland ein bisschen durch die Hintertür daherkommt…bzw. daherkam, denn die gibt´s schon seit Mai, während das Album erst vor 3 Wochen erschien. Nichts desto trotz beweist er hier wieder sein treffsicheres Gespür für Uptempo Pop Arrangements mit Ohrwurm Charakter.

2. Letzten Monat hab ich ja die mit über 9 Minuten episch lange erste neue Single ‚Woman‘ von City and Colour im Soundcheck vorgestellt. Jetzt hat Dallas Green nachgelegt und es gibt 2 neue Tracks als weitere Teaser für das im Oktober erscheinende Album „If I should go before you“. Diesmal ist es erfreulicherweise wieder eine rockigere Single. Erfreulich nicht weil die folkigen Songs nicht hörenswert wären, sondern weil Songs wie ‚Wasted Love‘ einfach richtige gute Rock Tracks sind und einen guten Kontrast bieten. Nicht nur weil er hier mit 2.58 min kurz und bündig auf n Punkt kommt.

3. Neo-folkiger wird es aber nun wieder, allerdings hier clever gepaart mit verschleppten Ambient Groove. Der Song heißt ‚Wolfe‘ und stammt von der gleichnamigen und empfehlenswerten „Wolfe EP“ der amerikanischen Folk Rock Band Brolly. Allerdings sind die EP sowie der Song bereits aus dem Jahr 2014 und daher nicht brandaktuell. Vielmehr wieder ein bemerkenswertes Fundstück auf einem meiner Streifzüge durch die Sound-Cloud. Leider ist die EP dann auch das Finale Werk der Band, da sie mittlerweile im Juli 2015 verkündet haben, nach 4 Jahren nicht länger unter dem Namen Brolly Musik zu machen.

4. Auch meine derzeit Lieblings Musik Familie, die ja nur zu 50% aus Mitgliedern mit Verwandtschaftsgrad besteht, die Family of the Year, überzeugen mich nicht nur mit den bislang 3 Vorab-Singles, darunter auch hier das auf stadiontauglich arrangierte ‚May I miss you‘, sondern das gleichnamige gerade erschienene Album ist hörenswert. Clever produzierte Songs, die die Grenzen zwischen Singer/Songwriter Folk und Alternative Rock mit kleinen elektronischen Einschüben fließend machen.

5. Ein Hauch Barock-Pop weht ja bei den Editors wie gewohnt durch die Hallen. Während man bei den ersten Singles die dieses Jahr als Vorboten auf das im Oktober erscheinende Album „In Dream“ ein wenig mehr gewagt wurde, um gewohnte „Hör-Pfade“ zu verlassen, kommt der neue Track ‚Life is a Fear‘ schon irgendwie vertrauter vor. Schwere Synthie Klang-Flächen, die wie längst vergessene 80er Jahre Staubfänger auf dem Boden liegen. So richtig überzeugt mich das Konzept der Band nicht (immer).

6. Viel überzeugender finde ich hingegen das Dance-hymnische ‚Call my Name‘ vom schwer beschäftigten und umtriebigen DJ und Remixer Kaskade. Allerdings hat er sich hier mit Rae Morris verstärkt die den Gesangspart übernimmt. Der Song soll das neue Studio Album „Automatic“ teasern, auch wenn Call my Name selbst es nicht mehr aufs Album geschafft hat. Kann man fast als Luxus Problem beschreiben, wenn so ein Track hinten runter gefallen ist. Aber dafür hat er ihn ja trotzdem den Fans zu Gehör gebracht. Alles andere wäre auch untypisch gewesen, schließlich ist Ryan Raddon, wie er bürgerlich heißt, nicht dafür bekannt, seine Remixe und selbst produzierten Tracks zurückzuhalten…ganz im Gegenteil. Für ihn ist es wichtig dass seine Musik gehört wird…gerne auch von den Dinosaurier Rock Bands, die Schwierigkeiten haben, die Mechanismen der digitalisierte Musik Welt zu verstehen. Die lieber Remixe verbieten, als tolerieren.

7. 2014 wurde der Song ‚Every New Love‘ als neue Single der kalifornischen Indie Rocker Bonnie & The Bang Bang angekündigt. Parallel dazu gab es leise Gerüchte, dass es in Verbindung mit einem neuen Studio Album steht. Ich meine es sollte „Distance“ (?) heißen. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht…jedenfalls außer immer mal wieder Konzert News gab es nichts Neues. Bis vor ein paar Wochen eben jene Single „Every New Love“ mit neuen Cover Design und neu abgemischt vorgestellt wurde. Darüber hinaus gab es auch den Hinweis auf ein neues Label, das für den quasi Remix verantwortlich ist. Klingt das demnach auch nach Album???

8. Seit 2012 ist marokkanisch-schwedische Sängerin Loreen ein Begriff in der europäischen Pop Szene. Da gewann sie triumphal den Eurovision Song Contest mit der Pop-Hymne ‚Euphoria‘, die leider in der Folge eine ganze Reihe an Nachahmer Produktionen anderer Künstler nach sich zogen, die aber lange nicht so erfolgreich blieben. Nach Ausflügen zum TV als Moderatorin kam bereits im März eine neue grandiose Single ‚I´m in it with you‘ auf den Markt, die aber etwas unter und an mir vorbei ging. Nun folgt der 2. Versuch, um mit dem Titel-Track ‚Paper Light (Higher) das neue Album Paperlight (wahrscheinlich noch dieses Jahr) anzuteasern. Und siehe da, es gab gute Kritiken der Presse und: der 1. Track ‚I´m in it with you‘ hat es in meinen Soundcheck geschafft. Mehr geht ja (fast) nicht!

9. Im Pop-Noir-Business ist das US Trio von VUM unterwegs, aber auch bei denen warte ich seit Monaten auf ein Datum, wann das Album „Cryptocrystalline“ erscheint. Seit einiger Zeit läuft die Single ‚Katrine‘ quasi ziellos durch den Topanga Canyon und seit August heißt der neue Track ‚This is the Witch‘. Entgegen vieler VUM Songs hat er ungewohnt lineare Strukturen und einen Uptempo-Beat, bei dem man fast schon an „Good-Vibe-Dark-Wave“ denkt. Der Vorteil ist aber, dass man nach 2 Minuten schon die Repeat Taste drücken kann…länger geht der Track nämlich leider nicht.

10. Etwas länger geht dafür der neue 13 minütige „Track“ vom Electro Pop Duo The Golden Filter. Wobei es sich hier eigentlich schon fast um ein ganzes Set, bzw. die neue EP „PS1103“ handelt, die aus den aneinander gereihten Tracks Start Over, Breakdown, Drowned und Lappool besteht. Sie sind allesamt minimalistisch, hauptsächlich instrumental und im Deep-house / Electro Stil, also mehr für Clubs und weniger für das Radio konzipiert. Dennoch haben sie ihren eigenen Reiz.

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