Soundcheck (Vol. 39)

Mit der Musik der amerikanische Pop/Rock Band OneRepublic habe ich mich eigentlich bislang nicht sonderlich beschäftig. Trotz der Tatsache, dass sie natürlich kommerziell sehr erfolgreich sind und mir der Name Ryan Tedder sehr wohl ein Begriff ist. Gilt er doch als kleines Pop Songwriter Genius; quasi der Rob Thomas (Matchbox 20 Sänger) der Neuzeit. Unzählige Hits der letzten Jahre von unterschiedlichen Künstlern gehen auf sein Konto, indem er sein eingängiges Songwriter Talent in die Dienste anderer gestellt hat. Aber mit seiner Haupt Band OneRepublic, dessen Mastermind er ja auch noch ist, hat er aktuell ein neues Album „Oh My My“ am Start. Wirklich verblüfft hat mich auf dem Album allerdings – mal abgesehen von dem eher albernen Albumtitel- eher wenig. Aber ein Song, der auf dem Album in hinterer Position fast versteckt ist, hat es dann doch zu Single Ehren geschafft. Nämlich die Kollaboration mit einem gewissen Peter Gabriel. Dieser wiederum hat ja für den SNOWDEN Kinofilm einen Song ‚The Veil‘ zum Soundtrack beigetragen und hat hier bei der Band einen prägnanten Gast Gesangs Auftritt. Sinnigerweise heißt dieser Song ‚A.I.‘ – also Artificial Intelligence. Soll wohl irgendwie eine gedachte Brücke zum Daten Spionage Thema sein, das Gabriel auf dem Soundtrack um Längen besser umsetzt. Aber schlecht ist der Dance-poppige Track deswegen natürlich nicht.

Die „Aussie“ Post-Punk / Alt Rock Band Service Bells war auch wieder fleißig und bastelt gerade an der Fertigstellung ihres neuen Albums. Bzw. ich gehe mal davon aus, dass das Album bereits fertig in der Schublade liegt und auf Veröffentlichung wartet. Einen Titel hat es noch nicht, soweit ich informiert bin, aber es gibt bereits 2 Tracks, die vorab zu hören sind: Einer heißt ‚Einseidelei‘. Ja genau, man liest richtig. Und weil ich mir hier die Deutung noch verkneifen möchte, habe ich den ersten Track ‚Warm Machine‘ rausgesucht. Und der klingt sehr nach postpunkig, leicht duster verschroben…eben klassisch Service Bells.

Ganz „verliebt“ bin ich seit 2 Jahren in die Amerikanerin Jilian Rose Banks, die mit ihrem kühl-schüchternen R´n`B / Electro Sound damals als neue „Goddess“ gefeiert wurde und nun den Nachfolger „The Altar“ nachgelegt hat. Und auch wenn die neuen Videos zu den jeweiligen Singles durch sehr freizügiges, aggressives Posing inkl. S/M Ästhetik glänzen, ist das neue Album wieder eine sehr persönliche, introvertierte Nabelschau. Nur mit dem Unterschied, dass sie laut eigenen Aussagen viel bewusster und selbstbestimmter zu Werke gegangen ist. Treibende Electro und Trip-Hop Beats wechseln sich gekonnt mit elegischen Downbeat Piano-Balladen ab. ‚Gemini Feed‘ (hier im Salute Remix) ist da nur ein Beispiel…aber ein starkes!

Doppelte Freude gibt es derzeit für alle Freunde Alternativer und Experimenteller Modern-Art Musik der Band Dirty Projectors. Denn kürzlich ist ein neuer Song der Band erschienen, bei dem Mastermind David Longstreth allein im Video eine wehmutstriefende Avantgarde Electro Ballade ‚Keep your Name‘ dahin säuselt. Gleichzeitig ist nun die Single ‚All to myself‘ von seiner Kollegin Amber Coffman erschienen, die gleichzeitig auch ein Vorbote auf ein Solo Album mit dem Titel „City of no reply“ ist. Witziger- oder auch merkwürdigerweise sind beide Songs voller gewollter oder unbewusster Anspielungen auf eine Trennungs- bzw. Abschieds Situation. Und die Tatsache, dass beide getrennt voneinander Musik produzieren lässt natürlich den Verdacht auf eine Band Trennung auch nicht gerade leiser werden.

Dominique Dillon de Byington aka Dillon stammt ursprünglich aus Brasilien, aber lebt und musiziert nun schein Jahren in Berlin…wo auch sonst, könnte man fast sagen. Ist ja Berlin unlängst zu einem kreativen Mekka der Indie- und Alternative Musik Szene Europas herangewachsen. 2011/2012 hatte sie sich mit dem Album „This Silence Kills“ und der verspielten Klassik-Pop Single ‚Tip Tapping‘ in die Notizbücher geschrieben. Dieses Jahr ist nun ein neues Album erschienen, bzw. Songs dieses besagten Albums aufgenommen im Rahmen eines Konzerts „Live at Haus der Berliner Festpiele“. Ein Highlight des Konzertes ist das düste, sinistere ‚From One to Six Hundred Kilometers

Craig David ist wieder da – mit neuem Album „Following my Intuition“, das sich irgendwie anfühlt, als wäre er nie weg gewesen, mit seiner markanten Soul / R´n´B Stimme und seinen UK 2Step Klängen. Und wenn man ehrlich ist, war er natürlich auch nie wirklich weg. Nur war er sicherlich etwas unter dem Radar verschwunden. Aber er hat die Zeit genutzt sich weiter zu entwickeln. So ist er heute ein versierter DJ moderner Prägung und hatte auch Ausflüge in Techno und Deep House Gefilde unternommen. Aber mit dem neuen Album und Dance-Tracks wie ‚Ain´t giving up‘ kann er wieder mühelos an gewohnte Klänge seiner Erfolgsalben aus den frühen 2000er anknüpfen.

Endlich haben auch die beiden englischen Klang Tüftler von Cloud Boat neue Musik auf den Markt geworfen. Nachdem das 2014er Album „Model of You“ bei mir wochenlang heiß gelaufen war, folgt nun in Kürze eine EP mit dem martialischen Titel ‚Man of War‘. Und genau so heißt der neue Song, der seit 2 Wochen draußen ist. Wieder sind treibende DubStep Beats und Electronica Einflüsse im Vordergrund, die eine logische musikalische Fortführung vom letzten Album erkennbar machen. Aber vor allem auch Lust auf mehr.

Unter dem Namen Harbors hatte der amerikanische Indie und Alternative Rock Musiker David Shayne bereits 2012 ein gleichnamiges Album aufgenommen und bis Mitte 2016 Songs und EP´s in Eigenregie veröffentlicht. Wer aber mal den Bandnamen Harbors gegoogelt hatte wurde, wurde allerdings bei anderen Bands mit dem gleichen Namen fündig. Und so ist es vielleicht erklärbar, warum Shayne nun kurzerhand entschlossen hatte den Verwechslungen aus dem Wege zu gehen und nun via Mail an die Fans verkündet als „Lynx Hallow“ weiter zu machen. Eigentlich eine „Todsünde“ eine Marke umzubenennen, aber in diesem Fall wohl notwendig und nachvollziehbar. Zum Einstand hat er dann auch gleich eine neue akustische Alt Rock Ballade ‚Peaches‘ auf den Plattenteller gelegt und die ist durchaus ein gelungener Neustart.

Nachdem Sängerin Mandy Perkins und ihre Band of Verona 2015 eine Mixtape EP veröffentlicht hatten, begab sie sich quasi wieder auf die Schulbank und nahm ein paar Lehrstunden in Sachen Komposition. Diese Erfahrungen haben sicherlich auch Eingang in die neuen Songs gefunden, die die Band in den letzten Wochen veröffentlicht haben und die -wie angekündigt- auch auf dem neuen, zweiten Album zu hören sein werden, das noch in diesem Herbst rauskommen wird. Geblieben ist aber wie beim groovigen ‚Under a purple Sky‘ die bekannte leicht düstere Pop-Melancholie, die aber nun akustischer und weniger elektronisch instrumentiert klingt

Wer das neue Album „22, a Million“ von Justin Vernon bzw. seinem musikalischen Band Mikrokosmos Bon Iver gehört hat, wird sich fragen, wohin die wohlige Neo-folkige Klang Kulisse vergangener Alben geblieben ist, die ihn zum schüchternen, aber gefeierten Künstler einer ganzen Indie Generation gemacht hat. Wer dann aber genauer in die verschrobenen klangfetzigen Soundcollagen eintaucht, wird sie wiederfinden. Genauso wie Samples guter alter Americana, Gospel und Rock Einflüsse. Alles aber eben nicht mehr linear strukturiert, sondern gesampelt und wohlüberlegt eingestreut. Und so bedarf es ein gutes Stück Geduld bis sich das Konzept bei mir und sicher auch anderen Hörern als ein fast schon meditatives und lyrisch spirituelles Werk entblößt. Ein Album auf persönlicher Sinnsuche, voller Fragen, (Selbst-) Zweifel nach, bzw. während einer amtlichen Depression. Mal singt seine Stimme kraftvoll und beseelt von Schuld, Vergebung und Hoffnung. Meistens aber ist sie verzerrt, gefiltert und brüchig. Zerrissen von den Anforderungen eines werdenden Pop-Superstars und dem Wunsch nach Rückzug und Besinnung auf das, ihm das Wichtigste ist: mit Freunden zusammen inmitten von Laptops, Equipment, Kabeln und Kreativität. Musik um der Musik Willen. Und genauso zeugt der Song ‚666 ʇ‘ (hier in einer Live Version) von innerer Zerrissenheit – ganz im Geiste des gesamten Albums. Und so findet man sich sehr schnell staunend und interpretierend inmitten dieser sperrigen Klang- und Symbolik-Landschaft jenseits gängiger Hör-Klischees wieder und dennoch denkt man: irgendwie macht das schon alles Sinn!

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